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Jeschurun · 1920-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1920) · p. Seite 77

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1920)
Date
1920-01-01
Page
Seite 77 (sequence 77)
Language
German
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Erziehungsfragen. 77 bedeutsamsten Periode des Lebens einnimmt und so recht die Zweieinheit von Mann und Weib charakterisiert, erhält es eine Weihe von besonderem Grade. Wollte man den sexuellen Verkehr, der in unserer Auffassung in einer ganz besonderen Zuordnung zur Ethik erscheint, als eine rein physiologische Angelegenheit auch in anderem Rahmen als dem der Lebensgemeinschaft zulassen, so würde dieselbe Handlung, das Sexualleben, in ganz verschiedener Wertigkeit existieren und anerkannt werden. Dazu kann sich ein sittlichen Gedankengängen ergebener Mensch, der den Sieg des Moralischen — im weitesten Sinn — für dringlicher erachtet als Befriedigung eigener Lust, unmöglich entschließen. An diesem Punkt der Ueberlegung ergibt sich die Möglichkeit, von jungen Menschen Opferwilligkeit zu heischen, gegen sich zu kämpfen und zu siegen. Man muß ganz ernst, mild und doch mit unerbittlicher Ehrlichkeit sprechen. Denn es ist ein Einwand des von Stürmen der Leidenschaft durchpeitschten Menschen möglich: er wird vielleicht zugeben, daß ein lediglich zur Befriedigung des Triebes dienendes Sichausleben eines hochstehenden Menschen nicht würdig sei — wie wenige werden selbst dies theoretisch und praktisch zugeben! — aber er wird geltend, machen, daß im Leben öfter eine große Freundschaft zu Frauen möglich sei, und daß sie dann ihre Krönung in der Vereinigung finden dürfe — ja vielleicht müsse! Nun, auch da braucht der Erzieher nicht zu verstummen: er kann streng von der Selbsttäuschung vieler junger Menschen sprechen, die sich keine Rechenschaft ablegen von dem Gang der Gefühle; daß oft genug doch die geschlechtliche Komponente die stärkste an solchen Freundschaften sei. Der Mann muß aber vor allem bedenken, welch verhängnisvollen Einfluß er durch sein usurpatorisches Handeln auf das Schicksal des Weibes haben kann, daß er sich Verantwortungen aufbürdet, denen er nimmer gewachsen ist. Denn ists Freundschaft, die ihm so hohe Rechte gibt, dann darf er sich keiner Verpflichtung entziehen. Dazu aber ist keiner imstande. — Endlich ist es eine Arroganz zu glauben, daß man im Leben oft Freundschaften finden könne, die so große Rechte auf Körper und Seele eines Menschen verleihen. Man darf in Demut dem Lenker der Welt danken, wenn er einmal im Leben

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