Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 76 (sequence 76)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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76 Erziehungsträger!. der Mann das Kind ablöst aber nicht, damit er nun in entfesselter Brunst sich dem Geschlechtsleben sklavisch ergebe, sondern um zum Höhepunkt des Schaffens zu gelangen. Hierzu aber bedarf der Jüngling der Reinheit. Auf das Gemüt eines edlen Jünglings, glaube ich, müssen zwei Gedankengänge tief wirken: Die Achtung vor dem Zusammenleben der Eltern und die Unberührtheit der Schwester. Es ist für jeden nur halbwegs ethisch gesunden Mensehen ein unerträglicher Gedanke, in der Ehe der Eltern, der man selbst entstammt, nur ein niederes animalisches Leben zu erblicken. Und ebenso ist der wütende Ruf der Jakobssöhne: הכזובה יעשה את אחותנו in der Brust jedes jüdischen Jünglings wach. Hat man das eindringlich genug jedem vor die Seele gestellt und hinzugefügt, daß ■ein jeder andere mit demselben Recht Heiligkeit für Elterngemeinschaft und Schutz der Jungfräulichkeit der Schwestern fordern kann, dann bleibt für das folgerichtige Denken nur ein Leben in Enthaltsamkeit bis zur Ehe übrig. Weisen die beiden eben angeführten Argumente: Die Achtung vor der elterlichen Gemeinschaft, also auch vor dem eigenen Ur- Sprung, und vor der Integrität der Schwester aut Vergangenheit und Gegenwart, so ist ein neues sehr starkes argumentum ad hominem auf die eigene Zukunft des Jünglings gerichtet: man muß mit aller Ueberzeugungskraft die Sehnsucht des Jünglings nach eigenem großen Glück in der Brust des Menschen wecken. Es muß ihm selbst allmählich zum Wunsch werden, daß die Gemein- Schaft mit dem Weib ihm die eigentliche Aufgabe, die zugleich das wahre Glück birgt, wird. Nun kann man etwa so den Weg zur Seele des Jünglings finden: Die Sexualgemeinschaft ist gewiß nicht das einzige, nicht einmal das Höchstwertige im Zusammenleben mit dem Weib; aber doch ein außerordentlich bedeutsamer Faktor, insbesondere das, was Freundschaft erst in Liebe wandelt, sodann aber das über das Leben der Individuen Hinauswirkende, indem dem Bund Nachkommenschaft entspringt (für alle, die nicht durch bedeutsame geistige oder hochherzige charitative Leistungen sich Unsterblichkeit sichern, ist die Heranbildung des Nachwuchses sogar das einzige, was wirklich über den individuellen Tod hinausdauert). Da aber das Sexuelle einen prominenten Platz in der