Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1920-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1920) · p. Seite 75

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1920)
Date
1920-01-01
Page
Seite 75 (sequence 75)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2292929-2292996-2292998--04012-2297294
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Erziehungsfrag-en. 75 schlechtem, die sexuelle Tönung der modischen Literatur und Kunst trifft, ist gerecht. Ich will das nicht wiederholen, sondern mehr meinem Bestreben gemäß, den einzelnen erzieherisch zu beeinfiussen und Richtlinien für die speziellen Fragestellungen zu finden, Winke und Vorschläge geben. Es ähnelt meine Arbeit eher der Methode Rousseaus, das Konkrete, dem pulsierenden Leben Angehörende zu betrachten und für es eine Bahr! zu finden; Goslars Wort sind Mahnung, Warnung und Beschwörung, ich will mehr auf einzelnes Antwort geben und ganz besonders eine Diskussion provozieren. All dies ist Einleitung und Anfang. In der Pubertät darf man den Jüngling nicht verlassen, nicht allein lassen mit allen Regungen, die ihn durchtoben. Wieviel leichter mag ihm all seine Qual, alles, was unter Schmerzen in ihm entsteht, werden, wenn er einen treuen Begleiter an seiner Seite weiß. Gewiß gibt es mancherlei, was man verbirgt. Aber das, was nicht direkt auf ein bestimmtes Wesen, dem man Verschwiegenheit schuldet, sich bezieht, kann der Jüngling wohl mit einem führenden Freund teilen. Aber gewöhnlich ist es das Alter, wo nicht nur das Kind sich von den Eltern zurückzieht sondern auch die Eltern von dem eigenartigen scheu werdenden Sohn abrücken aus Angst, ihm helfen zu müssen; sie fühlen instinktiv, dazu nicht befähigt zu sein. Sie sehen nur die sich vergröbernden Züge, seine ungelenke Art und nehmen wahr, daß nichts mehr die Zierlichkeit des Kindes, noch nichts die kraftvolle Schönheit des Erwachsenen hat. Die Ratlosigkeit der Eltern beruht aber nur zum Teil auf mangelndem Wissen um die Seele des Reifenden; am meisten entfremdend wirkt wohl bei vielen Vätern die Erinnerung an die eigenen tollen Jugendljahre, die nicht berechtigt, mit dem Höchstmaß an die Jugend heranzutreten — kann man doch nicht mehr verlangen, als man selbst zu leisten bereit war — und bei den Müttern das Andenken an die ohne klaren Einblick in die eigene Entwicklung verbrachten Zeiten. Wie soll man beraten, wo man sich selbst nicht kennt? Das freilich ist eine große Tragik. Zeigt dem Kind, daß seine Schmerzen und Triebe nicht mit ihm m die Welt gekommen sind. Sagt ihm, daß es das teilt mit allen Genossen. Daß es ein Naturgesetz ist, daß unter Kämpfen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.