Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 70 (sequence 70)
- Language
- German
- Belongs to
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70 Erziehungsfragen. Weib, das er begehrt, noch in größter Leidenschaft eine Genossin der eigenen Mutter erblicken? Früh aber müßte das Kind solche Worte vernehmen, so früh, daß es gewiß die ersten sind, die es "hört über das Wesen der Geschlechter. Ich setze 6—7 Jahre an. Das ist dann zugleich die Zeit, wo das Lernen beginnt, wo im תג״ך und in den Naturwissenschaften auch bald Veranlassung ist zu fragen und zu antworten. Jetzt wird der naturwissenschaftliche Unterricht vorbereiteten Boden finden. Vor allem wird das Kind gewisse Analogien zwischen dem Pflanzen- und Tierreich seinerseits und dem Menschen anderseits von selbst ziehen, nachdem es von den Mutterschaft schon einiges weiß. Langsam wird es dann auch die Rolle des Vaters kennen lernen. Doch möchte ich hier zu größter Vorsicht raten: des Vaters Anteil bei der Fort- Pflanzung ist allzu sehr Handlung, Akt des Momentes, um für das• Kind und selbst den frühen Jüngling eine ethische Note zu tragen. Denn daß es der Liebe Gesetz ist, daß sie zur Verschmelzung führt, das ist doch ein dem Erleben zu überlassendes Naturgesetz und hier gilt doch wohl das Wort aus.; :השבעתי אתכם- אם לא: שיר השירים תעוררו את האהבה עד שתחפץ• Und desgleichen ist dieVereinigungderGeschlechter ein Prozeß, der auch möglichst spät erst dem Kind zu enthüllen ist. Gerade hier wird sich die schrittweise erfolgende Uebermittlung von Kenntnissen aus der Biologie sehr gut eignen. Dazu empfiehlt es sich, auch hier mehr das Prinzip als seine Einzelheiten darzulegen. Bis dahin ist ja der Weg trotz mancherlei Klippen nicht unüberwindlich schwer. Er beginnt erst dann, uns stolprig zu erscheinen, wenn wir durch Fragen der Kinder nun auch des Mannes Sexualleistung erklären sollen. Wenn es dann sein muß, so sage man auch dieses letzte schlicht und knapp, spreche von der Pflicht des Mannes, die Reihe der Geschlechter fortzusetzen. Schweigen muß man von allem, was lustbetont ist. Nicht weil es Sünde ist; es gehört zu dem Erhabensten in der Natur, daß‘ das Heilige — denn das ist das Geschlechtsleben — gepaart ist mit der Freude. Aber diesen Akkord darf man nicht anschlagen vor den Ohren des Kindes. Er darf überhaupt nicht vor anderen gespielt werden; er verträgt kein Publikum. Er tönt von selbst im reifen Menschen: dem Jüngling und der Jungfrau als seligstes