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Jeschurun · 1920-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1920) · p. Seite 67

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1920)
Date
1920-01-01
Page
Seite 67 (sequence 67)
Language
German
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Erziehungsfragen. 67 detaillierte sachliche Kenntnis weniger gefahrvoll als die Erwekkung des Kindes durch schlechte Gefährten und Dienstboten, wodurch überhaupt nur das Sündhafte und das Laster zur Grundlage gemacht und die Lüsternheit erregt wird; dadurch muß ja das Ansehen der Eltern bei den Kindern leiden, weil sie unwillkürlich auch die Gemeinschaft der Eltern dem Maßstab der Begierde und des Genusses unterwerfen. Aber ganz übersehen soll man doch nicht, daß auch die wissensmäßige Behandlung des Gegenstandes nicht jede Verirrung an der Schwelle zurückweist, zumal ja die psychische Infektion durch schlechte Gesellschaft und unberufene Aufklärer nicht ausgeschlossen ist* * 3). Wie man nun auch diese Nebenwirkungen der biologischen Aufklärung einschätzen möge, jedenfalls erheischen sie eine noch andere Betrachtungsweise des Sexuallebens und stellen gerade die Forderung nach ethischer Behandlung, die wir oben erwähnten und auch bei Gelegenheit die Betonung des mütterlichen Anteils eben hervorhoben: die Gefahren der naturwissenschaftlichen Einführung bilden geradezu das Tor zur ethischen.4) Bevor ich daran gehe, die ethisierende Belehrung in Dingen der sexuellen Frage zu erörtern, muß ich noch eines Umstandes gedenken, der für die jüdische Schule das Problem zu einem brennenden macht: es sind die Abschnitte in der Thora bezw. ׳תנ״ך die von Schwangerschaft und Geburt sprechen. Auf der Unterstufe pflegt man die ע ר י ו ת und andere Stellen, die von זנות etc. sprechen, fortzulassen. Ich glaube, daß man in der Tat nicht eher diese Stellen übersetzen soll als jedenfalls das notdürftigste biologische Wissen vorhanden ist; da ist wohl das 12.—13. Jahr als untere Grenze zu bezeichnen. Viele werden auch das als ver- 3) Hier muß noch der verderblichen Wirkung־ Erwähnung־ geschehen, die von vielen Zeitungen heute ausgeht, die nur an die niederen Instinkte der Masse appellieren. Ich beobachte in letzter Zeit, daß Wochenblätter, wie ״Der freie Mensch'4 mit fast durchgehender Ausschließlichkeit laszive Titel haben z. B. die aussterbende Kokotte, der perverse Mensch, Nachttänzerinnen in der Potsdamer Straße. Das ist eine furchtbare Seuche. Hierzu kommt die abscheuliche Aufklärerei des Kinos. Es ist ein Verhängnis, daß sich der Niedergang Deutschlands gerade so erlebt. 4) Ich weiß, daß ich mit diesen Andeutungen das Problem nicht lose. Aber weder betrachte ich meine Ausführungen auf diesem Gebiet als mein letztes Wort, noch glaube ich, die Arbeit anderer Autoren überflüssig gemacht zu haben.

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