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Jeschurun · 1920-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1920) · p. Seite 66

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1920)
Date
1920-01-01
Page
Seite 66 (sequence 66)
Language
German
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66 Erziehung-sfragen. — Hinweis auf die allen Lebewesen gemeinsame Bedeutung der Verschmelzung von zwei differenzierten Sexualzellen — männlichen und weiblichen Prinzips — gegeben wird. Es muß schon früh einmal betont werden, daß neue Lebewesen nur durch einfache ungeschlechtliche Zellteilung und — namentlich auf höherer Stufe — durch den Befruchtungsprozeß und die sich anschließende Geschehensfolge entstehen können. Befruchtung aber, so muß gesagt werden, heißt Vereinigung von weiblichen und männlichen Zellen; dazu, so muß man hinzufügen, ist im Tierreich fast durchweg das Zusammentreffen eines männlichen und eines weiblichen Tieres nötig. Nun wird gewiß das Kind von selbst die Frage nach dem Modus beim Menschen steilen, und man wird ihm antworten müssen, daß da kein Unterschied gegen das Tierreich existiert. Hier ist eigentlich die Aufgabe der Naturwissenschaft beendet. Sie hat den Weg geebnet, hat gleichsam das Kind selbst fragend die Antwort bereits ahnen lassen, wie es um die Fortpflanzung des Mensehen steht. Alles andere ist viel mehr der Ethik bezw. der Hygiene angehörig, was nun zur Ergänzung des Wissens noch den Kindern zu übermitteln ist. Freilich taucht hier ein Problem auf, das für mein Gefühl die eigentliche Crux der ganzen ״Aufklärungsarbeit“ ist. Und das ist folgendes: bei dieser von der Biologie ausgehenden Belehrung wird unwillkürlich die Aufmerksamkeit des Kindes auf die Geschlechts- Organe in vielleicht mehr als erwünschtem Maße gelenkt, und das schließt zweifelsohne eine nicht geringe Gefahr ein. Unwillkürlich schenkt das Kind nun diesen Organen erhöhte Beachtung, fühlt womöglich den Wunsch besonders wach werden, auch über den Bau des anderen Geschlechts genau Auskunft zu erlangen. Vielleicht mag nun auch mit der Gefahr der Masturbation mehr als sonst gerechnet werden. Ich halte deshalb dafür, daß man zunächst nicht zu sehr ins Detail geht, die Organe nicht über Gebühr beschreibt und dem Begriff, ״Befruchtung“ mehr Beachtung als dem Prozeß selbst schenkt. Vielleicht betont man auch zweckmäßigerweise mehr der Mutter Rolle als Trägerin des Embryos bis zur Geburt als den Akt beider Eltern, durch den die Entwicklung ins Rollen gebracht wird. Ganz gewiß aber ist selbst eine

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