Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 64 (sequence 64)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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64 Erziehungsfragen. . diesen Gegenstand richtet, und der Beratung, die man dem in die Pubertät eingetretenen und schon gereiften Menschen zuteil werden läßt. Jene Belehrung, die also eine aktivistische Erziehung hedeutet, indem man das Kind an das Problem heranführt, halte ich deshalb für geboten, weil es zunächst überhaupt unwürdig ist, vor Großem, ja geradezu zentral Stehendem mit Scheu zurückzu״ schrecken. Noch mehr treibt mich aber zu diesem Standpunkt der Umstand, daß sonst die ״Aufklärung“ den Kindern in so häßlicher und entstellender Weise, ja in solch gefährdender Art von anderer Seite kommt. Darauf ist viel zu wenig hingewiesen, ebenso vermisse ich in den bisherigen Darlegungen zu diesem Gegenstand die Scheidung, die ich oben für die verschiedenen Stufen: also Einfiihrung und Beratung angegeben habe. Von allen Aufgaben der Erzieher ist die erste die schwierigste. Es ist nicht nur didaktisch und sachlich für fast alle Eltern und sehr viele Lehrer zu schwer, sondern ist selbst einem dem Problem sachlich Gewachsenen eine harte Nuß. Wieviel Takt und Feinsinn gehört zu dieser Belehrung, wie klein und ruhig müssen die Schritte gemacht werden, immer acht gebend auf die zarten Füße des kleinen Wanderers an unserer Seite, dessen Sohlen leicht wund werden! Und noch eins macht die Führung des Kindes schwerer als die Begleitung des Jünglings; die allermeisten Menschen verlernen immer mehr mit fortschreitendem Alter vollkommen die seelische Beschaffenheit des Kindes. Und während sie sich der Kämpfe des Jünglings noch einigermaßen aus ihrer Jugend entsinnen, klingt kaum ein Ton aus den Tagen der Kindheit herüber zu dem reifen Mann. Und wenn der Mann aus der Kindheit frühe Erinnerungen wach werden fühlt, dann sind sie oft so umgebaut, so verändert, daß sie keine Aehnlichkeit mit ihrem Urbild haben. Dafür freilich erleichtert wieder eines unendlich die Arbeit am Kind: noch hat nichts die Reinheit getrübt, noch sind es nur erwachende Triebe ohne Ziel, ein Keimen, noch ist das Drängen nicht in die Sphäre des Wollens, des Begehrens getreten; gern folgt ein klug geführtes Kind dem Weg der Tugend; nie leuchten menschliche Augen so hell wie Kinderaugen, wenn ein schönes, edles Ziel vor ihren Augen entrollt wird. Im geschlechtsreifen, differenzierten Alter drängt