Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 63 (sequence 63)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2292929-2292996-2292998--04000-2297282- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Erziehungsfragen. 63 Sünde darstellt in seiner gereinigten Form. Diese Gottgeweihtheit und naive Selbstverständlichkeit des Geschlechtlichen findet sich in der jüdischen Lehre, die anderseits sich nicht zu der Lutherischen Art versteigt, dem Weib eines Impotenten im Einverständnis mit diesem den Verkehr mit einem Bruder des Mannes oder Freund (zu des Mannes Lebzeiten!) anzuempfehlen, damit ihnen Nachkonimenschaft werde. Davon aber abgesehen, haben wir keinem modernen Buch besonders in der Niederkämpfung der destruierenden Sexualethik unseren Gegnern (z. B. Ehrenfels, Ellen Key, Forel) so viel zu verdanken wie dem Försters. Insbesondere sind die Stellen, wo er die Zusammengehörigkeit von Sexualethik und Rejigiosität auiweist, außerordentlich lichtvoll. Da ich den Eindruck habe, daß viel zu wenig vom Tatsächlichen der Sexualen-twicklung und dem -leben bekannt ist, so beginne ich mit einigen Daten, indem ich der Darstellung von Flachs im Handbuch der deutschen Schulhygiene herausgegeben von Selten (Dresden und Leipzig 1914) folge. Eltern und auch viele Lehrer wissen nicht, daß das Sexualleben des Erwachsenen Vorläufer hat in den Kinderjahren. Man kennt zwei Vorstadien, das indifferente und undifferenzierte und stellt sie dem differenzierten gegenüber. Jenes erste wird durch unbestimmte, der sexuellen Sphäre zugehörige Empfindungen, das undifferenzierte durch Ueberschwänglichkeit der Gefühle, wie sie sich in Freundschaften von Kindern (sehr oft gleichgeschlechtlich) kundgibt, charakterisiert. Endlich sind Abnormitäten keine Seltenheit. Onanie ist im 14. Lebensjahr bei Knaben, insbesondere in Internaten eine außerordentlich verbreitete Unsitte (daß Onanie gelegentlich schon bei Säuglingen besonders im Gefolge von entzündliehen Prozessen an den Sexualorganen vorkommt, sei nur beiläufig erwähnt). Hier gilt es früh zu erkennen, wann der Trieb im Kind erwacht, und durch geeignete Beschäftigung seinen Sinn abzulenken von der Konzentration auf das Sexuelle. Das Hauptproblem ist in der Tat das der ״Aufklärung“. Hier gilt es ein Mehrfaches zu tun. Ich möchte unterscheiden zwischen der Belehrung, die der Erzieher dem Kind erteilt als direkte Einfiihrung, also bevor überhaupt des Kindes Bewußtsein sich auf