Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 61 (sequence 61)
- Language
- German
- Belongs to
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Erziehungsfragen. 61 werden, insbesondere durch einen tiefen Einblick in vorzeitige Sexualäußerungen und -Verirrungen, z. B. die so ungemein verbreitete Onanie und durch das Eindringen in das komplizierte Werden des Menschen während der Pubertät. Sodann läßt sich vom eigentliehen Sexualproblem nicht trennen die Frage nach unseren gesellschaftlichen Zerstreuungen und den Beziehungen der Geschlechter. Alles, was man Peripherie des Sexuallebens, also Erotik und die letzten Ausläufer des Geschlechtslebens nennen kann, hat an dieser Stelle seinen Platz. Die besonderen Aufgaben, die hier Schule und Haus haben,, und die das Sexualleben zu einem Erziehungsproblem in hervorragendem Maße machen, werden im weiteren Zusammenhang erörtert werden. Hier soll nur einleitend bemerkt werden, daß bisher jüdisches Elternhaus und Schule nichts getan haben; ich spreche hier nicht von dem alten Osten, der, wenn auch keine ideale, insbesondere keine der Subtil-ität des Gegenstandes angefaßte differenzierte, so doch immerhin eine naive und einfache Lösung durch die Frühehe und durch die Vermeidung falscher Prüderie im Unterricht versucht hat. Dies schroffe Urteil gilt ohne Einschränkung. Ein träges, bequemes Schweigen und laisser faire laisscr aller. Dies Schweigen trägt die Verantwortung für alle Verirrungen, an denen die Gegenwart ach so reich ist. Denn um es gleich zu sagen: auch die Kinder der treusten Söhne unseres Volkes sündigen in keinem Fall so oft wie hier, wenn ich auch mit Freuden zugebe, daß, wenn überhaupt irgendwo, dann unter ihnen in einigermaßen hohem Prozentsatz Jünglinge sich finden, die in der Reinheit von Körper und Seele zu verharren streben. . Aber ich möchte schon bezweifeln, ob Goslars schöner und edler Ruf an die Jugend in dem Kreis lauten Widerhall finden wird, die die Renaissance des jüdischen Volkes erstreben. Es wäre ja so verheißungsvoll für die Sammlung des Volkes und das sicherste Symptom ihrer nahen Verwirklichung, wenn die nationalen Kreise bereit wären, hier das Joch des Gesetzes auf sich zu nehmen. Es ist nicht meine Absicht, die Literatur über das Sexualproblern hier erschöpfend zu nennen. So sehe ich von allen Schriften ab. die mich nicht direkt bei dieser Abhandlung gefördert haben,