Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 60 (sequence 60)
- Language
- German
- Belongs to
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60 Erziehungsfragen. denke an die Stellungnahme zu den Problemen des ״Faust״, zu Ibsen, Tolstoi, vielleicht auch Nietzsche und den Grundlagen der modernen Kunst. Durchweg soll das Ziel sein, nicht fertige Resultate zuzuführen, sondern den jungen Mann, das junge Mädchen zu selbständiger Betrachtung der allgemeinen Kulturelemente im Lichte der jüdischen Lebensanschauung anzuregen, wie sie in der Schule geübt worden ist. Leicht wird ihnen die Anwendung dieser Methode nicht immer sein — aber sie wird sich lohnen, nicht nur für die Allgemeinbildung: denn wahrer Bildung darf sich nur riihmen, wer mit Fremden selbständig zu schalten, es mit Eigenem zu durchdringen weiß, — sondern auch für ihre jüdische Gesinnung. Je weiter sie durch selbständiges Studium der Weltliteratur fortschreiten in der Erkenntnis des Einflusses, den das Judentum auf die edelsten Schöpfungen des Menschengeistes geübt hat, zugleich aber in der Erkenntnis der Eigenart des jüdischen Idealismus, um so deutlicher wird ihnen der Eigenwert und das Wesen des heiligen Vätererbes — wie etwa dem Alpenwanderer, je höher er auf den sanften Vorbergen der Hochgipfel ansteigt, um so herrlicher und erhabener die unerreichbaren Gletscherriesen selbst sich emporzuheben scheinen. (Fortsetzung der Aufsatzreihe folgt.) Erziehungsfragen. Von Dr. Oskar Wolfsberg, Berlin. III. Das Sexualproblem. Erziehung ist hier im weitesten Sinn zu verstehen. Die ganze Kindheit umfaßt es und den Jüngling bis zur völligen Reife, bis er aller Führung, allem Geführtsein entwachsen ist. Denn es will mir scheinen, daß das Problem der Sexualethik daran krankt, daß es zu eng gefaßt wird. Das Sexualproblem erschöpft sich nicht in der Frage nach der ״Aufklärung“ und der Enthaltsamkeit vor der Ehe, für Mann und Weib. Es muß durch vieles andere ergänzt