Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 58 (sequence 58)
- Language
- German
- Belongs to
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58 Aus dem Leben der Schule. einer liberal-protestantischen Auffassung aus vermittelt wird, Je weiter die Pädagogik fortschreitet und an Stelle des bloßen Paukens ein tieferes Durchdringen des Stoffes in reger Wechselrede setzt,־ je freier heute der Lehrer persönliche Meinungen bekennen darf* um so verwirrender wirkt das Gewühl der Eindrücke auf die junge Seele; und der Religionsunterricht, sofern er ohneZusammenhang mit dem sonstigen Lehrstoff erteilt zu werden pflegt, dient nicht zur Ordnung der auseinanderstrebenden Elemente, sondern steigert durch neue, eigenartige Töne die vorhandene Disharmonie. Sa entstehen denn in den jungen Menschen oft genug Kämpfe, wie sie frühere Jahrhunderte in solcher Häufigkeit und Bitterkeit kaum ge* kannt, — Kämpfe, unter denen der Mensch und der Jude in gleicher Weise leidet und aus denen so mancher, wenn auch nicht als Be״ siegter, so doch mit gelähmter Hüfte hervorgeht. Wir hielten es für. töricht und schädlich, wollte man unseren Jungens und Mädels den Kampf dadurch zu ersparen suchen, daß man ihnen die Quelle dieser Dissonanzen, die moderne Kultur, einfach verschließt. Die Folge wäre nicht der Friede (gerade der׳ Ostjude und seine Jugend kann es 11ns lehren), sondern ganz andere Kämpfe: der Kampf der Jugend gegen ihre Erzieher. Und die uns vorschwebende einheitliche Darbietung des europäischen Kulturinhalts, soweit er von den heranwachsenden Leuten aufgefaßt werden kann, soll — wir wiederholen es — keine einseitige* sein, in dem Sinne nämlich, daß nur die dem Judentum zugekehrten Seiten der Erscheinungen in apologetischer Zurechtrückung gezeigt und durch kleinliches Zensieren im Stil des Beckmesser aus den ״Meistersingern“ herabgesetzt würden. Auch unsere Schüler sollen in einem (im Judentum) Meister sein und Schüler aller echten' Geister sein. Insbesondere lassen wir sie Maleachis großes Wort verstehen, daß ״allenthalben Gott reines Opfer gebracht wird“, lehren sie also nicht nur die Humanitätsreligion Goethes und die Frömmigkeit der Romantik kennen, sondern auch das Sehnen edler Hellenen, den göttlichen Absenker in der Menschenbrust zu be-׳ friedigen durch Werke der Wissenschaft und Menschenliebe, erzählen ihnen auch von Buddha, vielleicht — besonderen Interessen* reifer Primaner entsprechend — von christlicher und islamischer