Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1920-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1920) · p. Seite 57

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1920)
Date
1920-01-01
Page
Seite 57 (sequence 57)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2292929-2292996-2292998--03994-2297276
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

&Bmm₪BBBaB₪MMBam₪m₪₪₪Bam₪mm rrwmm—aa—m Aus dem Leben der Schule. 57 greiflich, daß man mit einem Gefühl der Bewunderung und des Neides auf den Ositjuden mit seiner imposanten Geschlossenheit zu blicken begann — nicht nur in gesetzestreuen, nicht einmal ausschließlich in jüdischen Kreisen. So hat man denn sogar gehofft, daß ein starker Einschlag des ostjüdischen Elements in unseren deutschen Lehrerkollegien dem deutschen Judentum die heißersehnte Wiedererneuerung bringen könne. Nun möchte ich gewiß den Philister nicht in Schutz nehmen, der auf Grund der Buntscheckigkeit oder vielmehr Zerrissenheit einer manchmal recht seichten ״Allgemeinbildung“ auf den Sohn einer schlichteren, auf weit engerer Grundlage aufgebauten Kultur glaubt herabzusehen zu dürfen. Setzt man mir aber den Juden des Ostens als Muster, so muß ich doch erklären, daß die bekannte, sehr berechtigte Warnung, von Deutschland aus den Osten zu reformieren, auch umgekehrt gilt. Seine Wege (gleichviel ob er selbst sie weiter gehen mag oder nicht) sind nicht die unseren. Er weist die nicht-jüdische Kultur ab — ״ihren Honig wie ihren Stachel“. Wir aber könnten uns aus dieser Kultur nicht losreißen, wenn wir wollten, und — wir wollten es auch nicht, wenn wir könnten. Wir suchen Einheitlichkeit, nicht Einseitigkeit. Die Großen des arabischen Mittelalters weisen uns den Weg: die Saadia, Jehuda Halevi, Maimonides. Sie tranken, was die Wimper hält, von dem goldnen Ueberfluß der Welt. Sie ließen die Weisheit Japhets wohnen in den Zelten Sems, und die Rhythmen der arabischen Metrik klangen und klingen durch ihre Dichtungen wieder in unseren Synagogen. Aber die Glut ihres Judentums war stark genug, um alles, was die Welt da draußen ihnen entgegenbrachte, zu einheitlicher, .stolzer Flamme zu verzehren. Solche Geschlossenheit wünsche ich auch meinen Schülern: die Geschlossenheit des Reichtums,, nicht der Verarmung. Gewiß: die moderne Schule taugt schlecht dazu, sie zu erzeugen, auch bei den anderen. Es läßt sich denken — und es ist oft genug beklagt worden — welche Zerrissenheit im Schüler dadurch entsteht, daß etwa der Geschichtsunterricht alldeutsch, der naturkundliche nach Häckel, der deutsche im Sinne des Goetheschen Humanitäts- Ideals erteilt und die Einführung •in die Philosophie vom Standpunkt

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.