Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 53 (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus dem Leben der Schule. 53 gekennzeichnet1 * * * * * * * * * * * 13) Die Religionspolitik Karls des Großen wird in ihren Motiven deutlich, wenn außer seiner blutigen Strenge gegen das politisch gefährliche Heidentum der Sachsen seiner gerechten Gesinnung gegen die Juden gedacht wird. Für den Charakter der Kreuzfahrer ist ihre feige Grausamkeit gegen wehrlose Judengemeinden ebenso bezeichnend wie für Heinrich IV., den Stäatefreund und Pfaffenfeind, seine günstige Stellung zu den Juden. In der Zeit des deutschen Humanismus ist die Judenfrage das Schiboleth zwischen Reuchlins Freunden und den Dunkelmännern; und auch .an der Emanzipationsfrage des 18. und 19. Jahrhunderts scheiden sich die Geister. So wird das Verhalten gegen die Juden durchweg verständlich aus der Eigenart der betr. Personen und Zeiten; man gewinnt ein wahrheitsgemäßes, auch für die eigene spätere Arbeit brauchbares Bild vom Auf- und Abwogen des Kampfes, — während für viele von uns — seien wir offen! — das ,.Rischus“ als ein ganz geheimnisvolles Etwas, eine mit anderen Eigenschaf־ ten oder Anschauungen des Trägers nicht weiter verknüpfte Eigentümlichkeit erscheint. Noch wichtiger ist vielleicht für das Verständnis der Menschen, mit deren Leben sich das unsere auf Schritt und Tritt berührt, eine gewisse Vertrautheit mit ihrer Religion. Erst aus ihr heraus verstehen wir, was den Nichtjuden am Judentum fremdartig, ja. zuweilen minderwertig anmutet, weil es eben den Maßstäben nicht genügt, die er, von der Besonderheit der eigenen Religion aus- 13־) Natürlich darf er unseren Primanern nicht als der böse König aus Märchenland erscheinen, als den ihn die Vcrschüler kennen lernen mögen und sollen. Er war das, was der Katholik einen ״Kulturkämpfer“ nennt: ein Mann mit dem fanatischen Glauben an seine Pflicht, alles, was sich nicht ins Schema der allgemeinen Kultur einordnen will, auszunnten mit Stumpf und Stiel. Die höchst aktuelle Bedeutung dieser Persönlichkeit wird klarer, wenn man die Darstellung eines geistesverwandten Gelehrten liest: U. Wilcken in Pauly- Wissowas Realenzyklopädie der klassischen Altertumswissenschaft I 2470 ff., der ״im Gegensatz zu den tendenziösen Darstellungen der Makkabäerbücher und des Josephus die des Tacitus bemerkenswert“ findet, daß A. in dem Bestreben, den Juden ihren Aberglauben zu nehmen und das höchst widerliche Volk heilsam zu reformieren, durch den Partherkrieg gehindert wurde. Natürlich: die Juden sind ja die einseitigen Fanatiker, der König mit seinem Glauben an die alleinseligmachenden Zeus Olympios der wahrhaft aufgeklärte Mann. Es verlohnt für einen Lehrer, der Griechisch kann, Gynasialpimanern an der Hand «ines solches Aufsatzes einen Vorgeschmack des ״Wissenschaft lichenAntisemitismus“ zu geben, von dem sie bald weitere Proben kosten werden.