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Jeschurun · 1920-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1920) · p. Seite 52

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1920)
Date
1920-01-01
Page
Seite 52 (sequence 52)
Language
German
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52 Ans dem Leben der Schule. Mutter. ״) Aber allerdings hat Freytag niemals den Charakter der Juden aus dem ihnen angetanenen Unrecht zu erklären gesucht; die Juden sind ja bei ihm nur Nebenfiguren, Folien zu den Bildern des emporstrebenden deutschen Kaufmannsstandes, wie die Adligen auch; Worte wie die Shakespeareschen ״Ihr nanntet mich Hund: schützt euch vor meinen Zähnen“ sind in dem Roman nicht zu finden. Wir halten es für einen erheblichen Vorteil, daß die jungen Menschen aus Besprechungen wie den genannten über die Motive judenfreundlicher und judenfeindlicher Stellungnahme ihrer Umweit überlegt urteilen lernen. Auf das gleiche Ziel arbeitet natürlieh der jüdische Geschichtsunterricht hin, der, wie wir in einer früheren Untersuchung 12) gezeigt haben, durchaus von der Gegenwart und ihren Kämpfen (im weitesten Sinne) ausgehen und deren Verständnis zu wecken suchen soll. In der Hauptsache fällt die Einführung in die jüdische Geschichte dem Religionsunterricht zu, auch an der jüdischen Anstalt, die ja hinsichtlich der Stundenverteilung wohl an die amtlichen Lehrpläne gebunden sein wird. Aber auch im allgemeinen Geschichtsunterricht treten hier die Beziehungen der betr. Persönlichkeiten und Zeiten zu den Juden hervor, ohne nennenswerten Zeitaufwand, zur Vervollständigung des Bildes, das ohnehin von ihnen gezeichnet werden soll. Das fanatische Philhellenentum des Antiochos Fpiphanes .'wird einerseits durch seine verschwenderische Freigiebigkeit gegen die Athener, andererseits durch seinen Eifer gegen den jüdischen Gottesdienst n) Solche Anerkennung des jüdischen Familienlebens im Munde un״ freundlicher Schriftsteller sind nicht selten. Bekanntlich hat Bismarck als junger Abgeordneter die Gleichberechtigung der Juden mit dem Hinweis auf ihr Familienleben bekämpft: sei erst ein Jude Beamter, so werde er seine ganze Familie nach sich ziehen. Auch Gutzkows Novelle ״Der Sadduzäer von Amsterdam“ (s. o.), die zu Anfang eine schöne Schilderung der ״Mutter des Hebräers“ enthält, ist nicht grade judenfreundlich; sein Uriel (im Drama) widerruft aus Rücksicht auf seine Mutter; und der Dichter meint, dessen Handlungsweise sei noch nie einem Juden unverständlich geblieben (?). Man weise auf solche Äußerungen hin — nicht um mit Behagen Komplimente einzustecken, sondern um den Schülern die Frage nahezulegen, ob das heutige Judentum die gleiche Anerkennung verdienen mag, und wenn nicht, wo die Schuld liegt. 12) Vergl. Je?churum VI. 449 *f.

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