Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 51 (sequence 51)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2292929-2292996-2292998--03988-2297270- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Aus dem Leben der Schule. 51 schlecht brennen und Rothschild der Große träte herein mit allen Maklern und Chefs de comptoir, mit denen er die Welt erobert, und spräche: Moses Lump, bitte dir eine Gnade aus; was du willst, soll geschehen, — Moses Lump würde ruhig sagen: Putz mir die Lichter! — und Rothschild der Große würde mit Verwunderung sagen: War’ ich nicht Rothschild, ich möchte so ein Lümpchen sein. Selbstredend weisen wir die Schüler auch auf die ironischen Züge der Heineschen Bilder hin (schöner können sie wohl nirgends kennen lernen, was romantische Ironie bedeutet); aber wir lassen sie auch empfinden, daß (nach einem Bilde des Dichters) der Narr die Schellenkappe rührt, um nicht weinen zu müssen: der Spott trifft mehr den Dichter als das Judentum. Mit dem Bilde, das die Schüler aus Heine oder etwa aus Kompert (״Gottes Annehmerin“ ist in den Wiesbadener Volksbüchern erschienen) vom Leben unserer Vorfahren um die Mitte des vorigen Jahrhunderts erhalten, kontrastiert nun aber aufs peinlichste dasjenige in F r e y t a g s ״Soll und Haben“; es er־ zeugt im Schüler erfahrungsgemäß eine schmerzliche Verwirrung, aus der ihm der christliche Lehrer bestenfalls nicht helfen kann, wenn er nicht gar, im Verein mit den Mitschülern, dazu beiträgt, sie zu steigern. Der jüdische Lehrer wird auch an der Einseitig־ keit etwa des Kompertschen Bildes nicht vorübergehen: der Ghettodichter sieht die Juden nur unter sich, in der freundlichen Enge des eigenen, religiös geweihten Lebenskreises, der Romanschrift־ steller im aufgedrungenen Kampfe mit einer Welt, die ihm sein Recht versagt, deren brutaler Gewalt und höhnischer Verachtung er durch List das einzige abzuringen sucht, was diese Welt ihm geben kann: das Geld. Wer ein Volk als Feind und nur als Feind darsteilt, kommt zu einem Zerrbild; nur hier und da zeigen sich Ansätze zu vollerer Betrachtung; so sucht die Person Bernhard Ehrenthals dem Emporstreben der werdenden Generation gerecht zu werden; und auf das grauenvolle Bild des Mörders Veitei Itzig fällt ein versöhnender Sonnenstrahl aus der Erinnerung an seine