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Jeschurun · 1920-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1920) · p. Seite 50

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1920)
Date
1920-01-01
Page
Seite 50 (sequence 50)
Language
German
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50 Aus dem Leben der Schule. Aehnliche Gefühle, wie die Gegenüberstellung von Shylock und Nathan legt manchmal die Prosalektüre nahe, die noch stärker als die durch den Lehrplan geregelte Auswahl von Dramen dem besonderen Charakter der Schule Rechnung tragen darf und soll. Es ergibt sich, wenn ein kühneres Bild gestattet ist, eine Art stereoskopischen Sehens, wenn man das Ghetto erst mit den Augen eines jüdischen, dann durch die Brille eines unfreundlichen Christliehen Erzählers betrachtete. Der Vater der Ghettonovelle ist wohl Heines Rabbi von Bacherach. Ich möchte dies Novellenfragment in unserem Lehrplan nicht missen, weil mir selten schöner als in manchen seiner Schilderungen (etwa der Darstellung jener Mondnacht am Rhein, in welcher der stumme Knabe den schweigenden Rabbi und sein schönes Weib über den Strom setzt) der Zauber romantischer Erzählungskunst entgegengetreten ist. Aber die wenigen Stunden, die wir der Besprechung des Büchleins widmen, gehen nicht nur auf seine ästhetischen Reize ein. Wir begleiten auch den Rabbi durch die Straßen des christlichen Frankfurt; und vielleicht nur der jüdische Leser empfindet die schwermütige Schönheit dieser Schilderung. In bunter Pracht lockt die Wandernden der aufgestapelte Luxus der Ostermesse; ״mach die Augen zu, schöne Sara4‘ spricht der Rabbi mit ernster Milde zu seiner Gattin. Ein Rudel fahrender Frauen eilt mit wüstem Sang und wilder Neckerei vorüber; ״mach die Augen zu, schöne Sara“, tönt es zum andern Mal. Endlich ein trauriger Zug kahlköpfiger, barfüßiger Mönche; ״mach die Augen zu, schöne Sara“, schallt es zum dritten Male. Es ist, als schritte der Genius Israels selbst, unberührt von des Mittelalters Pracht, seiner Ausschweifung und seiner Askese durch die christliche Welt. Auch der künstlerische Reiz der ״hebräischen Melodien“ erschließt sich stellenweise nur dem jüdischen Leser, der die wehmütige Erinnerung des Dichters an eine schöne, ihm versagte Welt aus eigenem Erleben zu verstehen weiß. Ich habe auch aus dem Schlamm der ״Bäder von Lucca“ die Schilderung des Freitagabends herausgehoben, der den ״Moses Lump“ für Mühsal und Schande der Woche entschädigt. ״Wenn die Lichter

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