Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 45 (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus dem Leben der Schule. 45 ben der Menschen weitverbreitete, gute Geschlechter“ und Liebe von ihnen fordern, wendet sie sich von heidnischem Wahn zur Religion der Bibel. Und dadurch, daß sie in sich die geschichtliche Wendung der Menschheit von der Barbarei zur Religion der Sittlichkeit vollzieht, kann sie zur Erlöserin ihres Geschlechtes werden. Solche Gedankengänge werden unseren Schülern vollkommen deutlich durch die Heranziehung des Gegensatzes zwischen biblischer und heidnischer Frömmigkeit, welche ihnen aus der Homerlektüre und der Besprechung der alten Germanen geläufig ist. Nun wird es ihnen anschaulich: auf jener weltgeschichtlichen Wendüng, die das Judentum herbeigeführt hat. beruht die Humanität unserer Klassiker. Ueber das Judentum führen ihre Ideale nicht hinaus; eben deshalb kann und soll der einzelne Jude — als Jude, nicht nur als Mensch — so gern von ihnen lernen, wie seine Väter seit den Tagen der Bibel7) sich an nichtjüdischer Weisheit gefreut haben. Indem z. B. Lessing die ״Schwärmer seines Pöbels“ an den Pranger stellt, hat er den Bekennern aller Religionen einen ernsten Wink erteilt. Wohl sind wir Juden stolz darauf, daß nie ein Anhänger unseres Glaubens denjenigen einer anderen Religion seines Bekenntnisses wegen verfolgt hat; aber auch für manche jüdische Leser Lessings lohnt es sich, von ihm zu lernen, wie verwegen und lächerlich zugleich es ist, wenn die Patriarchen einer Religion, die selbst auf die Duldung eines Saladin angewiesen ist, geschützt werden wollen in ihrem allerheiligsten Recht — Scheiterhaufen zu bauen! — Nach ganz anderer Riehtung kann uns Herder anregen. Neigt Lessing dazu, die Unterschiede von Volk und Volk, den Einfluß nationaler und auch religiöser Besonderheit zu verkennen (gerade im Nathan treten solche Unterschiede noch verhältnismäßig deutlich hervor), so liegt Herders Größe eben in der Aufdeckung solcher Bindungen des Individuums, in der Klarlegung der Abhängigkeit des Einzelnen vom Gemeinschaftsleben und den es bestimmenden geographischen und geschichtlichen Bedingungen. Gerade uns als Juden gibt dieser besonders einflußreiche Verfechter des Nationalismus (als Prinzip 7) Schon die Bibel rühmt die Weisheit heidnischer Männer I Kon. 5,10; Jes. 19,11 und Jer. 49,7 und zitiert ihre Aussprüche; Sprüche Salomos 30,1 und 31,L