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Jeschurun · 1920-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1920) · p. Seite 40

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1920)
Date
1920-01-01
Page
Seite 40 (sequence 40)
Language
German
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40 Aus dem Leben der Schule. echte Begeisterung zu erzeugen vermag, ist nicht zu bezweifeln; wohl aber muß die Gegenfrage gestellt werden, ob die Art, mit welcher unsere Klassiker nur zu häufig in den allgemeinen Anstalten dargestellt werden, geeignet ist, unsere Kinder für sie zu erwärmen. # Deutschlands Klassiker haben als Menschen für Menschen geschrieben, nicht als Deutsche für Deutsche, noch als Christen für Christen. Die Stimme der Menschlichkeit hört nach ihnen ,Jeder, geboren unter jedem Himmel“. Bald tritt eine griechische Heroine, bald ein Jude, bald in Schillers Feder eine Katholikin als Muster reiner Frömmigkeit auf: denn ״unsere Ergebenheit in Gott ist von unserem Wähnen über Gott so ganz und garnicht abhängig“. Nun gibt es gewiß vorurteilsfreie nichtjüdische Lehrer, die im Geiste dieser Humanität unterrichten und jede Herabsetzung fremden Glaubens und Stämmestums vermeiden. Aber gerade solche Männer haben literarisch und in persönlicher Aussprache darüber geklagt, wie sehr sie unter ihren Amtsgenossen allein stehen. Der größte Teil unserer Oberlehrer stellt sich vielmehr auf den׳ Stand- Punkt, daß wahre Humanität nur auf dem Boden des Christentums möglich sei. Das Christentum — man hat es von Harnack gelernt1 — ist nicht eine, sondern die Religion.1) Folglich ist die Lebensanschauung der Klassiker in der Tat eine Frucht des Christentums. Lessing tat unrecht, einen Juden ״aus dem Schatz Christlicher Bildung zu erschaffen“, ihn gleichsam mi-t den fremden Federn christlicher Humanität zu schmücken. Goethes Iphigenie schöpft — man gibt den Nachweis Schülern, auch jüdischen Schülern als Aufsatzthema! — aus der Quelle christlicher Ethik. Nicht als Menschen für Menschen, sondern als Christen für Christen sollen die Klasiker gechrieben haben, bewußt oder unbewußt. 2) ב) Wieviel Unwissenheit hier mitwirkt, ist bekannt. Ein Frankfurter Professor mußte durch einen Primaner darauf aufmerksam gemacht werden, daß das Gebot der Nächstenliebe in der Thora steht. Und Konitzer Oberlehrer haben seinerzeit an das Blutmärchen geglaubt. 2) Inwieweit das Urteil unserer Klassiker selbst über das Judentum teis durch die Evangelien, teils durch den Schluß von der traurigen Erscheinung des Ghettojuden auf seine Religion und sein Volkstum getrübt war, braucht hier nicht gefragt zu werden. Auf die unterrichtliche Behandlung solcher

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