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Jeschurun · 1920-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1920) · p. Seite 39

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1920)
Date
1920-01-01
Page
Seite 39 (sequence 39)
Language
German
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Ans dem Leben der Schule. 39 Aus dem Leben der Schule. Von Dr. I. Heinemann in Breslau. IV. Der deutsche Unterricht an der jüdischen höheren Lehranstalt• Vor kurzem fand in Breslau eine stark besuchte Versammlung statt, in welcher ״die jüdische Schule“ zur Erörterung stand. Der Referent wußte mit Geschick zu zeigen, daß an einer jüdischen Bildungsanstalt alle Eltern ein Interesse haben, denen die Erhaltung des Judentums Herzenssache ist, nicht zum mindestens gerade diejenigen, deren Kinder im Elternhaus das Judentum nicht in der Anschaulichkeit seiner gesetzlich vorgeschriebenen Formen vor sich sehen. Die Diskussionsredner stellten sich ohne Unterschied der religiösen Anschauungen fast sämtlich auf den Standpunkt des Redners. Nur das Bedenken wurde laut, ob eine jüdische Anstalt auch als ״deutsche Schule“ in dem Sinne werde gelten dürfen, daß sie den Ewigkeitswert der deutschen Kultur ihren Schülern voll erschließe, ihnen also nicht nur dasselbe Maß profanen Wissens beibringe, wie die Schwesteranstalten (dafür sorgt ja auch schon der staatliche Schulrat), sondern sie auch in gleichem Maße mit Begeisterung für die unvergänglichen Werte der deutschen Literatur erfüllen werde: ist nicht vielleicht ein Lehrer, den weder Glaubensnoch Stammesunterschied von Goethe und Schiller trennt, berufener zu ihrem Interpreten und zum Vermittler ihrer Größe als der Jude? Ich möchte dieser Frage nicht den Hinweis auf die Verdienste entgegenhalten, die sich Juden, wie Lewes, Ludwig Geiger, Bielschowsky und Gundolf um die Darlegung des Wertes der deutsehen Literatur erworben haben. Auch Männer, die ungleich fester als die genannten in ihrem Judentum wurzeln, haben Deutschlands Klassiker schätzen gelernt und gelehrt, manchmal besser noch, als deren eigene Stammesgenossen: im Jahre 1859 hat die christliche Geistlichkeit es vielfach abgelehnt, den Ketzer Schiller zu feiern; aber der Rabbiner und Schuldirektor Samson Raphael Hirsch huldigte in einer seiner schönsten Reden vom Standpunkte seiner jüdischen Lebensanschauung aus dem Genius des großen Volkserziehers. Daß eine Betrachtung, wie die seine

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