Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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28 Moralunterricht und Religion. nigfacher Situationen und Schicksale biblischer Personen zu einer Beurteilung und Deutung eigner Lebenslagen verhelfen. Dafür einige Beispiele: Mabilleau im Cours superieur seine]: Morallehre behandelt die Frage der Stellung der Dienstboten in der Familie und ihre Behandlung im Hause als freie Bürger. Mabilleau gibt eine historische Entwicklung von der Sklaverei bis zur französischen Revolution, die die Menschen gleich- und freigemacht habe und bringt eine Reihe rührsamer Anekdoten von der Pflichttreue der Dienstboten. Um wievieles wirksamer könnte aber diese grautheoretsiche Moralvorschrift innenkräftig gestaltet werden, wenn man an das Verhältnis Abrahams zu Elieser u. a. anknüpfte, überhaupt auf die hochsinnigen jüdischen Vorschriften bezüglich des Verhältnisses von Herrn und Dienern (so den Ausspruch: hackaune eved ivri kaune odaun l’azmau) hinwiese. Man könnte auf die auf viel höherer sittlicher Stufe stehende jüdische Pflicht der Elternliebe, des Fundrechts, der Schonung der Tiere und auf vieles andere zu sprechen kommen. Also zur Bewußtmachung und geistigen Durchdringung bestimmter konkreter Lebensgebiete böte schon die Bibel allein Beispiele und Anknüpfungen die Fülle. Und nun gar erst das Meer des Talmud und unsrer midraschischen und agadischen Literatur und der sich daran knüpfenden Exegeten und die Lebensgeschichten unsrer Großen und Märtyrer! Hier quillt und wimmelt und kribbelt einem ja der Stoff unter den Händen! Hier einmal eine Systematik und Methodik für eine jüdische Jugendlehre zustande zu bringen, wäre ein ungeheures Verdienst, aber eines, das ein ganzes Leben beanspruchte. Man wende uns aber nicht ein: Wir besitzen ja schon eine Unzahl von Andachts- und Moralbüchern ältern und neuesten Datums, wie z. B. die unvergänglichen Moralwerke ״Menorath Hamaor“ (jetzt auszugsweise in dem deutschen Handbuch von Bamberger sehr gut zugänglich), das von Wohlgemuth edierte ״Mesilath Jescharim“, oder das zu Unrecht halb vergessene Hausbuch ״Zeena Urena“ (altvertraut unter dem Namen ״Taitsch-Chumesch“). Auch gibt es ja dutzendweise sogenannte ״Religionsbücher“ von weniger oder gar nicht zweifelhaftem Werte, die auch die Morallehre nicht