Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 26 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2292929-2292996-2292998--03963-2297245- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
26 Moralunterricht und Religion. Wie sehr diese Erkenntnis der ethischen Höhe und Größe iüdischen Pflichtlebens erfreulicherweise in den letzten Jahren auch in n i c h t j ü d i s c h e Kreise gedrungen ist, beweist nicht nur das Buch von J. Weigel, Das Judentum, Berlin 1911, sondern bemerkenswert ist auch die in jüngster Zeit erschienene Veröffentlichung des angesehenen Nervenarztes Dr. C i m b a 1, die in einer wahrhaft begeisterten Verherrlichung jüdischer Tüchtigkeit und jüdischen Pflichtenadels gipfelt. (״Ueber die Erziehung zur Rüstigkeit und Tüchtigkeit in Schule und Beruf, Psychologische Beiträge zur Neuordnung unseres Volkstums und unsrer Schule,, von Dr. Walter Cimbal, Nervenarzt und Oberarzt am Stadtkrankenhaus zu Altona“, erschienen in der Sammlung von Abhandlungen über Pädagogik der Neuzeit, Altona und Hamburg 1919.) Cimbal, der bedeutende Nervenpatholog, befaßt sich im wissenschaftlichen Teil seines Werkes mit der Untersuchung der geistigen Veranlagungen und Begabungen der Jugend und bemüht sich, Beiträge zur Umgestaltung des deutschen Schulwesens im großen zu geben. In einem Schlußkapitel, das er ״Psychologische Beiträge zum Neubau unsres Volkstums“ betitelt, führt er zusammenfassend dem deutsehen Volke als Spiegelbild die Juden, ״Das Volk der Thor a%\ vor, in dem er eine kurze Uebersicht über Aufstieg und nationalen Verfall und Leben in der Diaspora des Juden Volkes gibt. Dann handelt eine Art Epilog des Buches ״Von den Kraftquellen für den Neubau des deutschen Volkes in uns e r e r Z e i t“, und diese Schlußfolgerungen interessieren uns hier. Cimbal steht bewundernd vor dem Rätsel der Lebenszähigkeit des jüdischen Volkes und analysiert dessen Ursachen. Der ganze Abschnitt nun ist ein Hochgesang auf die geistige Regsamkeit und unverwüstbare Tüchtigkeit des jüdischen Stammes, insbesondere auf die einzigartige Liebeswerktätigkeit, wie sie im Judentum Vorschrift und natürliche Pflicht ist, und wie sehr sie von dem modernen Staatssozialimus mit seiner strengnormierten Armenhilfe und dem ganzen Apparat examinierter Sozialbeamtinnen und Diakonissen und Armenpflegern so vorteilhaft absticht. Es gewährt hohe seelische Befriedigung, in unsrer Zeit häßlicher Anfeindungen, von nichtiüdischer Seite eine solch vorurteilslose Anerkennung jüdischer