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Jeschurun · 1920-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1920) · p. Seite 20

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1920)
Date
1920-01-01
Page
Seite 20 (sequence 20)
Language
German
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20 Moralunterricht und Religion. missen, sie ist so erbarmungslos hellsichtig, so errechnet kühl und kahl, daß kein Kind sein Herz dadurch wird rascher schlagen fülllen. Hier weht kein Schauer des Göttlichen, keine Weihe des Heiligen und Verklärten, hier spricht kein innerlich Geschautes zur menschlichen Gebrochenheit, hier ist alles mechanisierter Intellektualismus, ist alles auf Nützlichkeit und Berechnung und Zwang ein״ gestellt. Die Moral ist die nützlichste der Wissenschaften, die Tugend ist die Gewohnheit des Guten, die Eltern- und Kindesliebe wird zur Pflicht gemacht, mit der Begründung: Liebe den, der dich liebt, die Kinder unterstützen die Eltern, denn das Staatsgesetz gebietet, zwingt sie dazu. Keine Gesetze der Liebe und des Gefühls sind hier die treibenden Kräfte (wie etwa das jüdische Gebot der Elternliebe, das vom Kinde Ehrfurcht fordert, ohne Rücksicht auf die Würdigkeit oder Schuldigkeit der Eltern), hier sollen die Eltern nur auf ihren ״Pflichtteil“ gesetzt werden. Die Gerechtigkeit wird geboten, Mord, Diebstahl, Lüge wird verboten, denn das Staatsgesetz schreibt es so vor. Der Grundfehler jedoch dieser ganzen Jugendpflichten״ lehre ist, was schon Förster bemerkt.1) daß sie nicht imstande ist, die Kräfte des Herzens und Geistes zu wecken, daß das ewige Moralpredigen und Anpreisen guter Handlungen und Gesinnungen noch lange nicht die Weckung von Motiven und schöpferischen Willenskräften zum Guten bedingt. Denn wie armselig ist doch die Liebe, die alles nur pflichtmäßig erfüllt. Ein weiteres Wesentliche — so fahren wir fort — ist das Fehlen jeder Anschauung für das Kind in diesem Paragraphensystem. Das geistige Wachstum des Kindes beruht auf Anschauung, dies ist ein Elementargrundsatz aller Pädagogik. Hier aber fehlt jedes Vorbild, jede mit dem ersten Erwachen des kindlichen Seelenlebens verknüpfte Bilderreihe lebenaiger Menschen, wie sie die Bibel dem Kinde zwischen sechs bis zwölf Jahren so ahnungsreich und in unerreichbarer Fülle und Tiefe darbietet. Die unzähligen geheimen unbewußten und halbbewußten Beziehungen, die uns bibelkundige Juden wie gläubige 1) Fr. W. Förster, Jugendlehre, Verlag G. Reimer, Berlin 1918, ein Buch, das wir auch allen jüdischen Lehrern und Erziehern als unentbehrliches Haus־־ buch empfehlen.

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