Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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18 Moralunterricht und Religion. sich zufrieden, wird von anderen geachtet und ist zumeist auch glücklich. Derjenige, der Schlechtes tut, empfindet Gewissensbisse, wird verachtet und ist oft unglücklich. Regel: Man wird oft mit dem bestraft, womit man gesündigt hat. Dann folgt eine Erklärung des Begriffs: Familie, dabei heißt es: Ehemals war die Familie mangelhaft organisiert, der Vater hatte unbeschränkte Gewalt über sein Kind. Das Christentum milderte diese barbarischen Sitten. Doch konnte bis zur französischen Revolution ein Vater sein Kind noch einsperren lassen, um sich seiner zu entledigen. (Dies ist eine Verbeugung vor der französischen Revolution!). — Dann folgen Pflichten der Eltern gegen die Kinder (Verpflegung, Kleidung, Erziehung u.s.w.) und der Kinder gegen die Eltern (Dank, Liebe, Ehrfurdft, Gehorsam und Unterstützungspflicht). Regel: Liebe denjenigen, der dich liebt. — Lektion 7. Die Kinder sind zur Unterstützung der Eltern verpflichtet, auch das Staatsgesetz zwingt sie zur Unterhaltung ihrer Eltern. — Ein guter Sohn ist die Freude der Eltern, ein schlechter Sohn ist eine Schande und ein Unglück für die Familie, auch kann ein schlechter Sohn in einer Besserungsanstalt untergebracht werden, wenn er sich schwerer Vergehen schuldig macht. Dies ist also das grundlegende Kapitel, somit die ganze Erkenntnistheorie des vielgepriesenen Moralunterrichts. Wahrlich, diese Art, sich mit den schwersten Problemen der Ethik abzurinden, ist schon mehr als oberflächlich und leichtfertig zu bezeichnen. Das II. Kapitel behandelt das Verhältnis der Geschwister untereinander. Das III. Kapitel ist über Schule und Vaterland. Das IV. Kapitel betrifft die Pflichten gegen den eigenen Körper (Selbstmord, Sinnlichkeit, Mäßigkeit, Warnung vor Trunksucht, da dieses Laster oft Ursache vieler gesetzlich strafbarer Handlungen ist u.s.w.). Das V. Kapitel spricht von den Pflichten des Erwerbs äußerer lebensnotwendiger Güter, wie Wohnung, Kleidung, Lebensmittel u.s.w. Hier wird Sparsamkeit als höchste Tugend angepriesen; Geiz Müßiggang, Verschwendung, Schulden. Spiel u.s.w. als höchstes Unglück verworfen. — Das VI. Kapifel behandelt die Pflichten gegen die Seele. Da heißt es: Das Gewissen ist die Stimme der Seele, sie lehrt uns das Gute und das Böse unterscheiden, läßt uns Freude empfinden, wenn wir Gutes tun, und verursacht uns Gewissensbisse, wenn wir schlecht gehandelt haben. Die Pfiichten gegen die Seele sind: Wahrhaftigkeit, das Lernen (l’etude), Bescheidenheit, Mut, und die daraus sich entwickelnden Eigenschaften. Die Lüge ist ein Laster, das uns entwürdigt und uns des Vertrauens unserer Nebenmenschen beraubt. — Die Güte ist eine Tugend, die uns dazu drängt, Gutes zu tun. (Wer denkt da nicht an die berühmte Definition: Die Armut kommt von der pauvrete). — Man soll selbst gegen Tiere gütig sein. Dazu folgt die Beinerkung: Nach der loi Grammont wird jeder, der ein Tier öffentlich mißhandelt, mit Geld oder Gefängnis bestraft, während der Tierschutzverein