Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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16 Moralunterricht und Religion. den Demokraten bis zu den Unabhängigen, gegen dieses Schulkonipromiß, das im Grunde genommen eine Schwächung der Kompetenz des autonomen Staates und des Gedankens der Einheitsschule bedeutet, gemeinsam Sturm laufen werden. Das Schulkompromiß verleiht den erziehungsberechtigten Eltern einen tiefgehenden Einfluß auf den Ausbau der Schule im Staate. Die Eltern können danach vom Staate verlangen, daß dieser sowohl für konfessionelle als auch für bekenntnisfreie Schulen die Sorge übernimmt Da nun diese Konfessionsschulen, somit auch die jüdischen Privatschulen niederer und höherer Ordnung, ein dauerndes Streit- Objekt zwischen den Parteien zu werden versprechen, erscheint es uns recht zeitgemäß, den Moralunterricht, der uns bei einem Siege der Liberalen zweifellos als E r s a t z für den bisherigen konfessionelien Unterricht beschert werden wird, einmal einer Prüfung zu unterziehen und die Fragen zu untersuchen: Welche Methoden hat der Moralunterricht in andern Ländern (Frankreich, Amerika, England, wo dieser Unterricht schon seit Jahrzehnten besteht), angewandt? Macht der Moralunterricht die bewährte Erziehungsarbeit der religiösen Schule entbehrlich? Was haben insbesondere wir traditionstreuen Juden von seiner Einführung zu erwarten, und wie stellen wir uns überhaupt zu dem ganzen Problem des gesonderten Moralunterrichts? Wir bringen im folgenden in einem I. Teil eine Uebersicht über den Moral unterricht in Frankreich, in einem II. Teil eine Charakteristik des Moralunterrichts in Amerika und England, um in einem Schlußteil die Folgerungen aus unserer Abhandlung für uns zu ziehen. I. Der Moralunterricht in Frankreich. Im Folgenden soll nun nicht etwa der Versuch gemacht werden, mit Mitteln der Vernunft oder Ueberredung die Bedeutung der Bibel für die geistige und moralische Erziehung der Jugend zu erweisen. Vielmehr soll einmal statt des positiven Weges der i n d i r e k t e Weg beschritten werden, es soll gezeigt werden, w i e wir es nicht machen sollen. Wir wollen aus der Praxis eines Landes erhärten, daß der Moralunterricht mit Ausschaltung