Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2292929-2292996-2292998--03952-2297234- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Moralunterricht und Religion. 15 gen tatsächlich ein neu gegründeter Verlag ״Der Menorah-Verlag׳*‘ gerecht wird. In ihm ist bereits das Projekt des Wörterbuches zur Ausführung gelangt, ist die Neuausgabe des Talmuds mit allen Kornmentaren unter Hinzufügung von ״דקדוקי סופרים״ in würdiger Ausstattimg in Angriff genommen und harren manche anderen Pläne der Verwirklichung (Zeitschrift, Lehrbücher usw.). Man darf also zuversichtlich hoffen, daß die jüdische Geistesarbeit, besonders in hebräischem Gewand, von dem neuen Unternehmen einen mächtigen Impuls erhalten wird. O. W. Moralunterricht und Religion. Von Dr. Arnim Blau, Hamburg. Das Problem des Moralunterrichts ist mit der nunmehr vollzogenen Trennung von Staat und Kirche in den Vordergrund des Interesses gerückt. Die Kirche ist der Fürsorge des Staates entzogen. Der Staat hat, um jeder Pareirichtung gerecht zu werden, für eine bekenntnisfreie Schule Sorge zu tragen, dem Willen der Eltern bleibt es überlassen, ob ihr Kind dem in der Schule erteilten dogmenlosen Religionsunterricht in der Schule mitmachen soll oder nicht. Als in den Sturmtagen der November- Revolution der radikale Lehrerrat in Hamburg die Oberhand hatte, war seine erste Verordnung die Entfernung jedweder Art von konfessionellem oder überhaupt religiösen Unterricht aus den öffentliehen Schulen, und es besteht kein Zweifel, daß, wenn wieder eine radikale Mehrheit vorhanden ist, ein Moralunterricht ohne jede religiöse Basis die Stelle des religiösen Unterrichts, selbst dort wo ein solcher bisher in Gebrauch gewesen, einnehmen wird. Durch das in der Nationalversammlung zustande gekommene Schulkompromiß ist der Religionsunterricht wohl nicht ganz ausgeschaltet, aber wenigstens das Fortbestehen konfessioneller Privatschulen, sofern sie allen Anforderungen der Staatsschulen genügen, gesichert. Wie lange Lebenszeit allerdings diesem Schulkompromiß, dem einer unnatürlichen Ehe zwischen Zentrum und Sozialdemokratie entsprossenem Kinde Voraussagen soll, ist ungewiß. Gewiß aber ist, daß die liberalen Parteien, von