Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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14 Neues Leben im jüdischen Verlagswesen. Weg ist nicht nur der ethisch bedeutsamere, sondern der einzige, auf dem Fortschritte erzielt werden können; denn arm ist die Welt unserer Gedanken und bescheiden die Schar der Hebraisten. Aus mancherlei Gründen wäre ein Aufschwung des hebräischen Buchhandels von großer Bedeutung. Wir werden zunächst viel weniger als bisher mit den Erzeugnissen des russischen Büchermarktes zu rechnen haben, denn für die nächste Zeit wird zwischen den großen Verlagszentren Wilna, Warschau, Odessa und Deutschland kein geordneter Handelsverkehr bestehen. Ganz gewiß befindet sich auch dort, abgesehen vom aufblühenden Stybei-Verlang, der aber doch nicht alle Zweige der Publizistik umfaßt, die Verlegertätigkeit im Rückgang. Hier ist also eine neuentstandene Lücke auszufüllen. Es handelt sich um Neuherausgabe der talmudisch-halachischen und "מוסר" — Literatur, sowie religionsphilosophischer Werke. Der hebräisch treibenden Gruppe, die zur Sprache der Väter zurückkehren will, müssen auch ein zuverlässiges Wörterbuch, geeignete Lehr- und Uebungsbücher in die Hand gegeben werden. Bald werden diese Werke nicht ausreichen. Unsere dem Hebräischen wiedergewonnenen Freunde werden Texte der bedeutendsten Autoren fordern, und wird fü! gute und zuverläsige Ausgaben zu sorgen sein. Während die eben gekennzeichneten Arbeiten der Einführung in die Sprache und der Pflege ihrer Literatur dienen, müßten Zeit- Schriften den Kontakt mit dem Leben hersteilen und die Beweglichkeit des Denkens und der Aeußerung ermöglichen, die unmöglich bei der schweren Lektüre zu gewinnen ist. Wie in jeder der Belebung des hebräischen Kulturgutes geltenden Bemühung erblicken wir auch in der Erneuerung des hebräisehen Buchhandels ein bedeutsames Anzeichen der Besserung. Unsere Zeiten sind ganz besonders hinsichtlich des geistigen Lebens der Judenheit so ernst und zu so wenig Hoffnungen berechtigend, daß jedes Symptom des Aufstiegs von allen Freunden jüdischer Gedanken mit Freude begrüßt w׳erden muß. Es ist nur ein Beweis für die Lebensfähigkeit der deutschen Judenheit, daß sie auch in dieser Zeit ernstester Gefährdung deutlich Anstrengungen macht, sich zu erheben. Besonders erfreulich ist es, daß den oben entwickelten Forderun-