Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2292929-2292996-2292998--03950-2297232- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Neues Leben im jüdischen Verlagswesen. 13 sehen wir, daß in Rußland trotz der primitiven Verhältnisse der jüdischen Welt und ihrer Umgebung der Buchhandel blüht und ebenso die religiöse und religionswissenschaftliche Literatur wie Belletristik und Poesie Verleger finden. Dabei denke ich selbstverständlich an d i e Literatur, welche in der den wahrhaft jüdischen Gedankengängen allein adaequaten Sprache, dem Hebräischen, geschrieben ist. So scheint mir der Name Mendele Mocher Seforim, den sich Schalom Jacob Abramowitsch beilegt, ein tiefes Symbol dafür zu sein, wie er seine Aufgabe auffaßte: Wissen und Kunst nicht allein zu formen, sondern auch in’s Volk zu tragen. Damit ist dem Buchhandel ein hoher Kuiturwert seitens eines der volkstümlichsten, dem Volke zugetanen und von ihm schwärmerisch verehrten Schriftstellers zugebilligt. — Den Weg des Verfalls ging das hebräische Schriftentum und das Verlagswesen in Deutschland. Mit der sinkenden Kulturleistung der deutschen Juden erstarb auch die hebräische Publizistik. Bis zu dem Grade schritt die Enthebraisierung vorwärts, daß man einen gewissen Stolz drein setzte, die jüdische Gedankenwelt des hebräischen Gewandes entkleidet zu haben. Seitdem aber ist auch das hebräische Verlagswesen zu Grabe gegangen; der Druck der althebräischen Literatur und das Verlegen neuer hebräischer Arbeiten hat fast aufgehört. Es scheint mir fraglos, daß, wenn auch nicht direkt ein Ursachlichkeitsverhältnis, so doch ein gewisser Zusammenhang besteht zwischen der Entwertung jüdischer Geistesleistung und den hebräischen Publikationen. Bei der Gesundung der jüdischen Arbeit in Deutschland kommt auf jeden Fall dem Verlagsbuchhändler eine bedeutende Aufgabe zu. Wenn die Zahl der Hebraisten steigen sollte, so wird es kein Wagnis für einen Kaufmann sein, dieser gesteigerten Produktion durch seine kommerzielle Mitwirkung zum Sieg zu verhelfen; denn in diesem Falle ist ja alles vorbereitet und der Buchhändler nur der technische Mitarbeiter. Aber in höherem Maße kann der Verleger dem hebräischen Schrifttum dienen, wenn er ohne den sichereu Rückhalt an einer Schar produktiver Hebraisten einen Waffengang für das Hebräische zu tun wagt. Hier wird der Verleger zum Bannerträger hebräischer Kultur, ein edler מוכר ספרים• Letzterer