Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Friede. 11 als ״Kämpfer“ gefeiert und hat nicht nur für seine Zeitgenossen, sondern auch für die Unsterblichkeit gewirkt. Natürlich, das gilt nur für die anderen! Die eigene Partei, die ist lauter und rein und ein Wicht ,wer es wagt, ihr der! Spiegel vorzuhalten. Oscar Wolfsberg hat im vorigen Heft in Worten, die von Herzen kommen und darum zu Herzen gehen mußten, gegen die Politisierung der Jugend geschrieben, von unserem prächtigen Material gesprochen, von den herrlichen Jünglingen, die unser Stolz und unsere Hoffnung sind und nur bescheidentlich gemahnt, die bildungsfähigen und begeisterungsfrohen Menschenblüten nicht allzufrüh dem Unwetter und den oft unreinen Niederschlägen des politischen Kampfes auszusetzen. Seine Worte sind mir aus der Seele geschrieben. Die Prinzipienklarheit kann ja auch wohl in gründlicher Lektüre und guten Unterrichtsstunden gefestigt werden, zu denen man freilich mehr braucht als Nichts, als Versammlungsredner zu sein. Um die Prinzipienklarheit ist es eine sehr wichtige Sache. Aber sie muß nicht gerade aus dem politischen Kleinkampf erwachsen. Und sie soll auch, und wie wir meinen vor allem, die Augen offen halten für die Schäden im eigenen Lager, erst mit allem Brüchigen, Zweifelhaften unter uns aufräumen, uns erst selbst zu Heiligen erziehen, bevor wir das Priesterarnt uns anmaßen bei den anderen. Ich sehe nicht ein, daß nur deshalb, weil das organisierte gesetzestreue Judentum vielfach in den abgelegten Kleidern des Zionismus einhergeht, nicht ausgesprochen werden soll, was ist: Daß der Kampf allzu oft ausartet in einen Kampf um des Kampfes willen, daß er oft mit den gleichen Mitteln der Politik geführt wird, wie sie die Gegner anwenden und so die Axt an das Grundwesen des Judentums gelegt wird, wenn diese Freude am Kampf genährt wird, und wenn die Knaben und Mädchen — und auch die Jünglinge und Jungfrauen — die, auch wenn sie noch so ״orthodox“, in den innersten Geist des Judentums nicht eingedrungen sind, in den lautesten Schreiern und geschicktesten Kämpfern die wahren Juden sehen. Freilich, es bedarf nicht der besonderen Anleitung. Unsere Jünglinge und Jungfrauen sind im Kern ihres Wesens so assimiliert, daß sie aus ihrem ganzen Milieu, ihrem Unterricht, ihrer Lektüre dem Nichtjuden gleich den Kämpfer bewundern müssen.