Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8 Der Friede. gerade die Männer sind, welche die Selbstüberwindung haoen, den Frieden zu fördern, und daß unsere Zeit nur deshalb eine Zeit des tiefen sittlichen Niedergangs ist, wreil sie aus sich nicht die Helden des Friedens kann erstehen lassen, die einer in Wahnsinn dahintaumelnden Welt mit der Kraft des großen Friedensförderers entgegentreten?! II. Das ist der jüdische Begriff des Friedens, den wir dem in den oben zitierten Versen des edelsten •deutschen Dichters ausgeführten entgegenstellen. Nein, der Friede erscheint uns nicht nur als der liebliche Knabe, der sich harmlos an der Natur erfreut und der sehr bezeichnender Weise in den Schlaf gewiegt wird, dem gegenüber der Krieg als der große Beweger alles Menschengeschicks für das Fühlen und Wollen nur allzusehr im Vorteil ist. Wenn wir ihn in einem Bilde darstellen wollten, so wäre es ein gereifter Mann, dessen Antlitz zwar im Scheine der Abgeklärtheit leuchtet aber dennoch die Spuren trägt, die die inneren Seelenkämpfe hinterlassen. Es ist recht wenig, was in den Literaturen der anderen Völker, und vor allem in der Jugendliteratur zur Verherrlichung des Friedens und der Tugenden des Friedens beigebracht wird. Der Grundzug war stets ein durch und durch militaristischer, und da haben die verschiedenen Völker einander nichts vorzirwerfen. Die Form wrar nur eine jeweilig andere: ln Deutschland die schimmernde Wehr, in Frankreich die Gloire, in England die lockenden Bilder der weiterobernden Kolonisatoren, und in Rußland selbst verschwand die große Gestalt Tolstois und seine Ideen gegenüber den Anbetern des Mütterchen Rußland, das alle Völker nach den Methoden des zaristischen Regimes an seine Brust nehmen wollte. Das gemeinsame Ideal: Hauen und Stechen, Niederzwingen und Zermalmen, Niedertreter! und Ueberreiten. Nur das wir jetzt in einer noch widerwärtigeren Zeit als vor dem Kriege leben. Denn die Lüge und Heuchelei, mit der von dem Kampf für Menschenrecht und Selbstbestimmung der Völker gesprochen wird angesichts der großen Beuteverteilung und der schlechtverhehlten Raubtierinstinkte aller