Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Der Friede. man an dieser Definition so völlig vorüber gegangen ist. Denn sie steht nicht an einer versteckten Stelle, sondern an der Spitze des פרק שלום des letzten Abschnitts des Traktat דרך ארץ זוטא und zeigt so, daß sie nicht eine vereinzelte Bemerkung über den Frieden sein will, sondern d i e Erklärung des Friedens, die Definition des Begriffes ,,Friede“. אמר ר, יהושע בן לוי גדול הוא השלום שהשלום לארץ כשאור לעיסה R. Josua ben Levi sagt: Ein Großes ist der Friede; denn der Friede ist für die Welt, was die Hefe für den Teig. Hier haben wir in unnachahmlicher Kürze den Gegensatz zwischen jüdischer und hellenistischer Auffassung. Der Hellene sagt, und alle Völker haben es ihm nachgesprochen ™Xepos Tzarf^p xdvrwv 9 der Krieg ist der Vater aller Dinge. Der Krieg bringt die Unruhe hinein in die stagnierenden Zustände und macht dem faulen Frieden ein Ende, er ist der Hecht im Karpfenteich, er läßt allen Fortschritt erstehen, indem er die Fähigkeit erweckt und ausbildet im Kampfe ums Dasein; er ist der Förderer auch der geistigen Kultur durch den hohen Schwung, den die Gedanken und Gefühle der Menschen nehmen, wenn sie ihre Kräfte im Streiten und Ringen, im Ueberwinden und Siegen gestählt und gehoben. Aber der Jude sagt השלום לארץ כשאור לעיסה• Der Friede ist der Vater der Dinge, die Keime, welche alles in die Höhe treiben, streut der Friede, die Gährung in die Welt bringt der Friede, und es ist darum gerade der Friede, der alles Große und Gute schafft, der die Menschheit fördert, der den Einzelnen vervollkommnet, die Gemeinschaft ihrem Ziele näher führt, die Menschheit zur Vollendung bringt. Diese Gegensätzlichkeit der Auffassung des Friedens wurzelt tief, tief in den letzten Gründen der jüdischen und nichtjüdischen Religion, des reinen Monotheismus und der dualistischen, der Religionen, die ein selbständiges Prinzip des Bösen annehmen, zu denen auch noch die christliche Religion gehört. Die anderen Religionen nehmen an, daß das Böse eine selbständige Macht neben, und unabhängig von Gott ist; die jüdische, daß das Böse wohl eine Macht ist, die notwendig ist für die Welt, die aber von Gott geschaffen ist und immer wieder von neuem geschaffen wird; deren