Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1920-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1920) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1920)
Date
1920-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2292929-2292996-2292998--03940-2297222
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Der Friede. 3 die stärksten Kräfte entbindet das Unbewußte im Menschen — darf nicht vergessen werden. Diese Vorstellung hat in der Menschheit Wurzel geschlagen, weil es sich im Leben der meisten Generationen um Verhältnismäßig kurze und auf einen kleinen Raum beschränkte Kriege handelte, deren Leiden an sich nicht so folgenschwer und nicht so weitgreifend waren und darum dem Bewußtsein der Beteiligten bald entschwanden. Die ein Menschenalter währenden, wie in der 5,Neuen Zeit“ der dreißigjährige Krieg und die napoleonischen lagen zeitlich immer so weit auseinander, daß die Erinnerung an ihre grauenvollen Verwüstungen dem Gedächtnis der späteren Generationen verloren gingen. Und so ist es uns keine Frage, daß die auf uns folgende oder sagen wir dritte Generation auch aus dem Weltkriege nicht die Lehre ziehen wird, die die unsrige aus ihm folgert, daß auch ihr der Krieg wiederum sein wird ein Beweger des Menschengeschicks, dem sie sich jauchzend in die Arme werfen wird und führte er sie auch in den Tod. Daran wird auch der Pazifismus nichts ändern, der stets im Gefolge besonders mörderischer Kriegsperioden auftritt. Der Völkerbund von heute ist ja ein Bonmot von vorgestern. Er gehört zu den Illusionen, denen zumeist die niedergetretenen Völker sich hingeben, weil er die letzte Hoffnung ist, die sie in ihrem Elend hegen. Wir wollen damit die Verdienste der vielen Edlen nicht schmälern, die sich aufrichtigen Herzens an dieser Aufgabe mühen, noch der Tendenz von Heinemann’s Abhandlung in diesen Blättern entgegen treten, der in ausgezeichneten Ausführungen den Anteil geschildert, den auch das Judentum für die Verbreitung des Gedankens des Völkerbundes beigetragen. Unserer Gepflogenheit getreu, die den Fortschritt der Menschheit in erster Reihe in der sittlichen und religiösen Durchbildung des einzelnen Menschen gewahrt sieht, wollen wir den jüdischen Begriff des Friedens zu entwickeln versuchen, als den, der von einem jeden Menschen zu erstreben and zu verwirklichen ist. I. Es gibt einen solchen jüdischen Begriff des Friedens. Der Talmud selbst hat ihn definiert und es ist nur merkwürdig, daß

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.