Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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2 Der Friede. die das Herz der Hochgestellten lenkt, wie es ihren Zwecken dient. Aber der Friedensvertrag von Versailles bleibt immer ein Abschnitt und da es fraglich ist, ob wir Aelteren den endgültigen Frieden erleben werden, so mag jenes äußerliche Ereignis zum Anlaß genommen werden, um auszusprechen, was für den Juden der Friede bedeutet. Es wird sich zeigen, daß auch hieraus Mußarlehren für die Bewegungen innerhalb des Judentums sich ergeben. Schiller hat in der „Braut von Messina“ das Wesen von Krieg und Frieden geschildert. Schön ist der Friede, ein lieblicher Knabe Liegt er gelagert am ruhigen Bach; Und die hüpfenden Lämmer grasen Lustig um ihn auf dem sonnigen Rasen. Süßes Tönen entlockt er der Flöte, Und das Echo des Berges wird wach, Oder im Schimmer der Abendröte Wiegt ihn in Schlummer der murmelnde Bach. Aber der Krieg auch hat seine Ehre Der Beweger des Menschengeschicks. Mir gefällt ein lebendiges Leben, Mir ein e wiges Schwanken und Schwingen und Schweben Auf der steigenden, fallenden Welle des Glücks. Die „Braut von Messina“ trägt in ihrer ganzen Anlage nach Inhalt und Form ein antikes Gewand. Und so ist es auch eine antike Weltanschauung, die in diesen sprachgewaltigen und formvollendeten Versen ihr Urteil abgibt über Krieg und Frieden. Aber wer könnte leugnen, daß der Krieg und der Frieden auch in der Seele des vergangenen Geschlechts sich so dargestellt. D' Annunzio hat nur in kindlicher und kindischer Weise ausgesprochen, was in Unzähligen lebte, wenn er sein Volk zum Kriege aufstachelte mit den Worten: Auch wir werden unsere Fahnen haben. Der Mehrheit war der Krieg der Beweger des Menschengeschicks, der sie zu einem lebendigen Leben emportrug und diese Erhöhung des Lebensgefühles im ganzen Volke war ihnen mit den furchtbarsten Opfern nicht zu teuer erkauft. Was auch immer an Ursachen des Ausbruchs des Weltkrieges und an Gründen für seine Verlängerung auf gezählt werden mag, dies psychologische Moment, das im Unbewußtsein wurzelt — und