Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 1 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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7. Jahrgang Januar-Februar 1920. טבת/שבט תר״פ Heft 1/2. Der Friede. ״Friede * ist das Schlußwort des Priestersegens, Friede das Wort des Grußes an jedermann, Friede ein Name Gottes, Friede gleich Gesundheit, Friede gleich Vollendung und Vollkommenheit. Der Krieg wird in Bibel und Talmud nicht verworfen, er wird als eine in den menschlichen Verhältnissen gegebene Institution anerkannt, und kriegerische Tapferkeit und kriegerische Stärke werden in Gleichnissen und Bildern verwandt, um die Größe Gottes und den Sieg der Frommen zu *schildern. Nie aber wird er an und für sich verherrlicht nie in dem Tone gepriesen, wie es aus nichtjüdischen Quellen uns geläufig ist. Wir möchten von dem jüdischen Begriff des Friedens reden, anläßlich der zwischen der Entente und den Mittelmächten abgeschlossenen Friedensverträge. Es ist freilich noch nicht an der Zeit, vom Frieden zu reden und an diesen Frieden Betrachtungen zu knüpfen. Abgesehen davon, daß der ganze Osten bis weit nach Asien hinein sich noch im Kriegszustände befindet, wer zweifelt daran, daß die ganze Neuordnung nur eine provisorische ist, eine Atempause, wie sie in der Zeit der napoleonischen Kriege mehrfach eintrat und der Welt einen Frieden vortäuschte. Auch das religiöse Gefühl, ja das bloß sittliche Gefühl sträubt sich gegen die Annahme, daß gerade die Völker, die Verrat geübt, den Löwenanteil an dem Gewinne davon tragen sollen, daß das zweifellos in Gesinnung und Lebensführung am niedrigsten stehende Volk auf dem Balkan in Zukunft dort die Vorherrschaft führen wird. Schuld und Sühne sind nun auch einmal im Völkerleben miteinander verknüpft, die Weltgeschichte ist das Weltgericht, und alle Torheiten der Diplomaten und Fehlgriffe der Feldherren sind nur Eingebungen einer höheren Macht,