Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1919)
- Date
- 1919-11-01
- Page
- Seite 622 (sequence 124)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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622 Eine Bahnfahrt. lieh ist mir die Fahrerei mit der Bahn vorgekommen, und alles, was ich dabei zu sehen bekam. Mir wird angst und bange, das Herz steht mir still, wie ein Gaulom sitze ich da, und schwitze. Vor Zeiten, als ich noch mit meinem Wagen und Pferd durch die Welt kutschierte, ist mir das Sitzen, eingekeilt zwischen meinen Bücher-Packen choliloh nicht schwer gefallen — und gar erst das Schwitzen — das war geradezu mechaje nefoschauss. Wer einmal im Sommer unterwegs war — sagen wir mal im Tamuß in der großen Hitze, wenn der Ribaunau schel aulom die Sonne strahlen läßt, wie aus dem Butterfaß gezogen, ein Brennen, ein Rösten, und wer da auf dem Wagen gelegen hat, das Gesicht nach unten, wie es mir doch so oft ergangen ist, der weiß ein Lied vom rechten Schwitzen zu singen. Das hier ist aber gar nicht dasselbe, ist gar nicht das wahre Gefühl vom Schwitzen. Pfui auch über diese Enge, die ein Stück Gesundheit kostet. Ich fange an zu sinnen — eine Kaschio auf eine Maßo —: Soll sich, baawaunausseinu horabbim, meine jüdische Natur geändert haben? Taug ich nichts mehr? Bin ich nicht mehr wert, teilhaftig zu werden der Wohltaten, der besten zwei Geschenke, mit denen Haschern jisborach sein Volk Jisroel beglückt hat: nämlich: in Enge zu leben und zu schwitzen, wie es sich gehört? Nein, ich brauche nur das Benehmen des Kondukteurs zu den Passagieren, deren Benehmen untereinander, das Agmas nefesch, das ich in der kurzen Zeit gefühlt habe, in Betracht zu ziehen und ich kann versichern: Die Änderung ist choliloh nicht in mir selbst, nicht in meiner Natur vor sich gegangen. Was denn? Ganz einfach! Die Art zu reisen hat sich geändert. Anders das einstmalige Fahren auf ״Beuden“ (Panjewagen) und das heutige Reisen mit der Bahn. Damals im Wagen war ich mein eigener Herr, mein Wille regierte wie ein souveräner Fürst. Ist es einmal vorgekommen, daß der kleine Wagen die Passagiere kaum fassen konnte, daß es so eng wurde, daß die Füße sich verflochten, meine, deine, nicht mehr auseinanderzubekommen, daß man eingepreßt war, wie die Heringe im Faß; immer war doch die Brero bei uns: