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Jeschurun · 1919-11-01 · Heft 11-12 (November 1919) · p. Seite 621

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 11-12 (November 1919)
Date
1919-11-01
Page
Seite 621 (sequence 123)
Language
German
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Eine Balmfahrt. 621 Eins ist mir gleich aufgefallen: Wie kommt es nur, daß, während wir jüdische Kinder uns jagen, hetzen, eilen, laufen wie die Verstörten, uns in die Waggons hereinquetschen in einer Angst, vielleicht werden wir chass wescholaum * nicht zurecht kommen, dabei den Kondukteur mit den Augen anflehen: Hab Kachmonus und nimm uns mit, sieh nur, wieviel Derech erez wir vor dir haben — zu gleicher Zeit spazieren noch die Keisenden von den umauss hoaulom in aller Seelenruhe am Zuge entlang, die Hände auf dem Kücken verschränkt* warten ganz gemütlich auf das dritte Glockenzeichen, steigen dann ein und dawke ganz gelassen. — Hat man sich schon mit Gottes Hilfe in den Waggon hereingepökelt, überstanden das Stoßen, Schieben, den Tumult, die Gefahr, beginnt ein neues Kopfzerbrechen: Wo ist Platz? Wer Massel hat, der findet einen Sitzplatz, die andern aber drücken sich herum und suchen, suchen wie die Heimlosen, nicht möglich ihnen, zu finden einen mokaum menuchoh. Eine korpulente Jüdin mit langer Nase und verkniffenem Mund drückt sich zur Tür herein, vor sich her Packen und Bündel ohne Zahl. Schon in der Tür — bums da liegt sie auf ihrem Gepäck, so lang wie sie ist, hingestreckt, schluchzt und windet sich wie ein gefesselter Puthahn auf dem Wochenmarkt in der Peßachwoche. Bindet man ihm zu Hause die Füße auseinander, wirft er sich auf den Fußboden nieder, spreizt die Flügel auseinander, verdreht den Kopf, öffnet den Schnabel, pickt in den Boden und blinzelt mit den Augen nach allen Seiten. — Und hinter diesem holden Bilde drängt schon eine zweite Frau zur Tür herein, beladen mit Bettzeug und ganzen Ballen Lumpen, dreht sich nach ihren ihr folgenden Kindern um und schreit in den höchsten Tönen: Schneller, fixer. — Gott hat sie mir zur Nachbarin beschert, ich kam zu sitzen neben ihr, ihrem Mann, ihren Kindern, zusammengequetscht, umgeben ,von Kästen und Kisten wie von einer Mauer. Al safssilei hawaggon — auf den Bänken des Waggons schom joschawnu ־— haben wir JudenTnebbich gesessen, und Bäche Schweiß haben sich von uns ergossen. Ganz abenteuer-

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