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Jeschurun · 1919-11-01 · Heft 11-12 (November 1919) · p. Seite 617

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 11-12 (November 1919)
Date
1919-11-01
Page
Seite 617 (sequence 119)
Language
German
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Telsche. 617 Telsche1). Von der Nord-Ost-Ecke des Beiches über 75 km entfernt liegt das kleine Landstädtchen T., dessen Besuch Amtspflicht und eigener Wunsch mir anheimgab. Es ist nicht ganz leicht, den Ort zu erreichen. Ich verlasse den in Kriegszeiten nur halbgeheizten Eisenbahnwagen, um den leichten, offenen Wagen zu besteigen, der mich in vielstündiger Eahrt zum Ziele führen soll. Das bedeutet in der kalten Winterszeit eine kleine Strapaze; langsam beginnen die Glieder zu erstarren, und durch die Monotonie der Gegend ermüdet, erstarren allmählich auch die Gedanken und machen einem dumpfen Dahinbrüten Platz, sie erwachen erst wieder, wenn nach scheinbar endloser Eahrt die Türme der hoch gelegenen russischen Kirche weit ins Land hinein grüßen und die Hoffnung auf den baldigen Genuß eines hier im Lande geradezu unentbehrlichen Glases Tee erwecken. Ich fahre ein; ein litauisches Städtchen wie hundert andere auch; nur ausgezeichnet durch einen gewissen landschaftlichen Beiz, auf dem das an Eintönigkeit gewöhnte Auge mit doppelter Ereude ruht. Und doch ist dieses Städtchen etwas anderes, als alle die anderen hundert. Wir stehen auf heiligem Boden; es ist der Ort der berühmten Jeschiwa, die der ganzen Gemeinde ihren Stempel aufdrückt. Mein erster Weg führt mich in das Haus des Ortsrabbiners und Leiters der Jeschiwa, ein wahrhaft jüdisches Haus, vom Thorageist erfüllt. Daß Vater נ) Die Jeschiwoth in Rußland sind infolge der Teuerung in einer großen Kotlage. Es ist geglückt, die meisten über die Kriegsjahre hinweg zu erhalten. Es wäre traurig, wenn die Hilfstätigkeit, die während des Krieges nicht ausgesetzt hat auf Grund der Erkenntnis, daß in den Jeschiwoth das stärkste Bollwerk gegen die feindlichen Mächte innerhalb des Judentums gegeben ist, nun jetzt völlig erlahmen würde. Vielleicht regt obige Skizze, von einem Kriegsteilnehmer mir noch während des Krieges eingeschickt, zu Gaben an. Telsche hat es^ übrigens wieder zu 135 Bachurim gebracht. Beiträge,;{die an alle größeren Jeschiwoth in Litauen verteilt werden, wolle man an Aron Hirsch und Sohn, Halberstadt mit der Bezeichnung: Für die Jeschiwoth einsenden. — Der Herausgeber.

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