Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1919)
- Date
- 1919-11-01
- Page
- Seite 616 (sequence 118)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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616 Aussprüche des B. Israel Baal-Schern. Wer sein Gebet innerlieb in eine fremde Sprache übersetzt, — um in dieser zu beten — hat das Gebet aus einer höheren in eine niedere Heiligkeit herabgezogen, aus der heiligen Sprache in die Profansprache. Man muß die Worte und Wendungen des Gebets mit seinem Denken und seiner Andacht beleben können. * שביל — כל העולם כלו בזין בשביל חגינא בני ist hier ein Weg; alle Welt geht auf dem Weg, den der einzige Große gebahnt, alle Welt lebt von den mächtigen Strömen, die sein Werk eröfihet hat. * Der Midrasch erzählt das köstliche Gleichnis: Der Löwe, der König der Tiere, ergrimmte über sein Keich. Das Volk der Tiere beriet, wer ihn wohl besänftigen könnte,, und der Puchs machte sich dazu erbötig, da er dreihundert Fabeln wisse. Er ging voran, nach einer Weile blieb er stehen und sagte, er habe hundert Fabeln vergessen. Sie meinten, auch zweihundert Fabeln würden genügen und folgten ihm. Wieder waren ihm nach einer Weile hundert Fabeln entfallen, und sie folgten ihm weiter. Als sie in der Halle des Löwen angelangt waren, da eröffnete er ihnen, er habe auch die letzten hundert Fabeln vergessen, ein jeder müsse nun für sich einstehen. Der Fuchs meinte es vielleicht gut mit ihnen, er wollte sie bloß zum König führen, und nun sie in seinen Hallen waren, befiel sie Furcht und tiefe Demut. Es ist ein Gleichnis auf die prächtigen Yorbeter an den großen Tagen, gelangt man ganz nahe an Gott heran, so ist man von ihnen verlassen, es vertraue keiner auf sie, jeder bete für sich. Würden sie wirklich vor Gott stehen, sie hätten auf ihren Gesang und auf ihr Getue vergessen. iÜSÜlillHilllllUlüiilllillllHIli