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Jeschurun · 1919-11-01 · Heft 11-12 (November 1919) · p. Seite 581

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 11-12 (November 1919)
Date
1919-11-01
Page
Seite 581 (sequence 83)
Language
German
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Die moderne Poetisierung des althebräischen Schrifttums. 5 81 Sagen spricht, mögen sie in poetischer, oder in prosaischer Gestalt auftreten. Aber auch das letztere ist nicht der Fall. Auch in Wirklichkeit darf die Sage nicht als ״Dichtung״ bezeichnet werden. Denn diese bezeichnet ein mit Absicht oder wenigstens mit Bewußtsein hervorgebrachtes Produkt, aber die Sage ist kein solches. Oder ist die ״Sage״ soviel wie ״poetische Erzählung״? So nämlich wird die Sage nicht nur ausdrücklich von jenem Genesiserklärer bezeichnet (S. VIII), sondern auch aufgefaßt, wenn ebenda behauptet wird, daß ״die israelitische Religion die Poesie und auch die poetische Erzählung besonders in ihr Herz geschlossen habe״. Aber es ist ein willkürlicher Sprachgebrauch, die Sage als ״poetische Erzählung״ zu charakterisieren. Man möge doch Poesie Poesie sein lassen und diesen hohen Namen nicht zur Etikettierung von Prosageschichten verwenden! Man kann ja auch in dem hier zu behandelnden Falle deutlich sehen, wohin dieser neue Sprachgebrauch führt. Denn da die Erzählungen über die Patriarchenzeit, um die es sich hier zunächst handelt, von jenem Genesiserklärer selbst nicht als Dichtung der Form nach (s. 0. T. Ij angesehen werden, worin liegt denn dann das ״Poetische“ an diesen ״Vätersagen“? Die Antwort kann nur lauten: In ihrem Inhalt. Mit dem in bezug auf sie gebrauchten Ausdruck ״poetische Erzählung״ können sie nur als E r dichtung gemeint sein sollen. Und wo ferner ist der Beweis dafür, daß ״die israelitische Religion die poetische Erzählung in ihr Herz geschlossen habe“? Bei dem, der diese Frage in seiner Genesiserklärung (S. VIII) bejaht, wird man vergeblich nach einem Beweise dafür suchen, und das althebräische Schrifttum wird auch keinen solchen liefern. Allerdings verwendet auch der hebräische Schriftsteller gelegentlich eine Fabel‘), oder eine Parabel* 2) als Mittel der ג) Rieht. 9,8—15 und ״Der Dornbusch auf dem Libanon usw.״ (2. Kön. 14,9). 2) 2. Sam. 12,1—4 (14,6b—7); 1. Kön. 20,39f.; Jes. 5,1—7 usw. s. in meiner ״Hermeneutik des Alten Testaments mit spezieller Berücksichtigung der modernen Probleme“ (1916), S. 99 f., wo insbesondere über ihre Auslegung gehandelt wird. 40

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