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Jeschurun · 1919-11-01 · Heft 11-12 (November 1919) · p. Seite 576

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 11-12 (November 1919)
Date
1919-11-01
Page
Seite 576 (sequence 78)
Language
German
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576 Die moderne Poetisierung des althebräischen Schrifttums. also nicht auf solche Weise zu einem Produkt der Sagenbildung gemacht werden. Und hat etwa die Sage auch ״das Schwert Goliaths, den du erschlugst“, wie Achimelekh zu David sagte (20,10), als Nationaltrophäe im Heiligtum zu Nob aufgehängt? Wenn man über die Geschichtlichkeit von Erzählungen der Samuelisbücher so urteilen zu dürfen meint, wie wird da das Urteil über die Tatsächlichkeit der Erzählungen aus der Patriarchenzeit ausfallen? Nun nach dem zitierten Genesiserklärer berichtet sie außer dem schon oben als Ausnahme zugestandenen Kriegszug Abrahams gegen Kedorlaomer noch, daß er ״fromm und edelmütig war, daß er einmal seinem Weibe zu Liebe ein Kebsweib verstoßen hat, daß Jakob seinen Bruder betrog, daß Bahel und Lea eifersüchtig waren, also unbedeutende Anekdoten aus dem Landleben, Geschichten von Brunnen, von Tränkrinnen und aus der Schlafkammer, reizend genug zu lesen, aber alles andere, nur keine historischen Ereignisse; dergleichen Dinge berichtet der Geschichtsschreiber nicht, sondern die volkstümliche Sage ergötzt sich an solchen Einzelheiten“ (Gunkel, S. IX). Aber erzählt denn die Genesis auch wirklich nur das von Abraham? Daß seine Glaubenstat eine neue Epoche der Keligionsgeschichte bezeichnet, erzählt sie nicht? Ferner nur das, was Gunkel erwähnt hat, sagt die Genesis über Jakob? Daß er bei der Bückkehr von Laban dessen Götter vergrub (35, 4), das gehört nicht zum hervorhebenswerten Inhalt der Genesis? Also erst wird das vom Inhalt der Genesis, was ihren Wert für Israel und die Menschheit ausmacht, totgeschwiegen, und dann dekretiert man, der Genesisinhalt habe kein öffentliches Interesse. Was sodann ist auch dies für ein willkürlicher Satz, daß Einzelerlebnisse von Personen und Familien keine Wichtigkeit besitzen! Solche Geschehnisse berichtet der Historiker nicht? Hoffentlich darf Tacitus noch zu den Geschichtsschreibern gerechnet werden, und doch wieviel ist bei ihm über einzelne Personen erzählt! Wie, wenn nun den Israeliten eine Rahel und Lea als Ahn-

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