Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1919)
- Date
- 1919-11-01
- Page
- Seite 569 (sequence 71)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2292929-2292989-2292995--03871-2297152- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die moderne Poetisierang des althebräischen Schrifttums. 569 transkribierten Probe bei Zeile V, indem sie mit dem Objekt ״das Liebt״ beginnt, und so geht es weiter in seinen Zeilen, indem er z. B. in seiner metrischen Herrichtung von l.Mos. 1,14-19 vier von seinen Zeilen mitten in einem einfachen Satze anfangen läßt. Wird darin die Absicht des Darstellers erkannt, oder verkannt? Die Antwort kann nicht zweifelhaft sein. Soviele Anfänge von Gedichtszeilen durch Enjambements zu schaffen, wäre Unnatur, ganz abgesehen davon, daß bei einem solchen Verfahren eines Dichters von einem Streben nach Gedankenparallelismus der aufeinanderfolgenden Sätze nicht die Bede sein könnte. Sodann ist aber auch noch die Meinung von Sievers, daß er Zeilen von je sieben Hebungen habe herstellen müssen, unbegründet. Denn der Urheber jener Schöpfungsdarstellung hätte kein ״glattes Metrum״ anwenden müssen, da ein solches ja oftmals nicht in hebräischen Dichtungen vorliegt, wie z. B. die Zeilen 2. Mos. 15,2baß mit ihren zwei und drei Hebungen beweisen1). Und ist endlich die Art zu• billigen, auf welche Sievers seine ״Siebener״ zustande gebracht hat? Abgesehen von der schon besprochenen Anwendung des Enjambements, hat er Ausschaltung von Textbestandteilen angewendet. So hat man gewiß beim Überlesen der oben gegebenen Probe bei den bekannten Worten ״und der Geist Gottes“ (1, 2b) das WortJeloliim hinter mach vermißt. Ebenso hat Sievers ’elohim ״Gott“ in V. 9a gestrichen. Da soll bloß ״und er sprach״ gesagt gewesen sein. Aber wie sehr wird da der offenbare und anerkannte Stilcharakter dieser Schöpfungsdarstellung verletzt! Derselbe liegt ja hauptsächlich auch in der regelmäßigen Beibehaltung einer einmal geprägten Ausdrucksweise. Das verleiht dieser Schöpfungsdarstellung den genessenen und feierlichen Ton, durch den sie sich auszeichnet und der in so natürlicher Harmonie mit der Erhabenheit des dargestellten Gegenstandes steht. Nun heißt es in den mit י) Die Streitfrage über ״Mischmetrumu und ״glattes Metrum״ wird in Hebr. Rhythmik 50 f. diskutiert.