Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1919)
- Date
- 1919-11-01
- Page
- Seite 568 (sequence 70)
- Language
- German
- Belongs to
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j68 Bie moderne Poetisierung des althebräischen Schrifttums. Doch hier darf ich schon mit der Transskription und Übersetzung abbrechen. Denn schon aus diesen Zeilen ergibt sich mit voller Deutlichkeit, wie sehr ihr Urheber nach Gedankenparallelismus und wesentlicher Symmetrie gestrebt hat. Dieselbe Erkenntnis erwächst aber auch noch aus der Vergleichung von 1. Mos. 1, 28ff. mit ihrer Parallele in Ps. 8, 5 ff. Denn gegenüber den bekannten Worten ״Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen usw.“ sagt der Psalmist: Was war der Mensch, daß du seiner gedächtest, Und des Menschen Kind, daß du es in Betracht zogst, Liessest ihn nur einer Wenigkeit von Gott weg ermangeln, Kröntest ihn mit Ehre und Schmuck: Machtest ihn zum Herrscher über deiner Hände Werk, Lägtest alles unter seine Füße! Schon darnach könnte die Auffassung von 1. Mos. 1, lff. als eines Gedichts auch dann nicht für richtig gehalten werden, wenn die metrische Beurteilung jenes Abschnittes, wie sie in den oben transkribierten Zeilen und weiterhin von Sievers gegeben ist, sich von andern Gesichtspunkten aus vollständig billigen ließe. Aber wie steht es damit? Erstens hat er in jener Schöpfungsdarstellung sogenannte ״Siebener“ h erstellen zu sollen gemeint, weil in andern Partien ebenderselben Pentateuchschicht oft Zeilen mit sieben Hebungen vorkämen, und weil nach seiner Ansicht auch in 1. Mos. 1,1—2, 8 sich solche Verszeilen herstellen ließen, ״wenn man nur diesem Texte die Freiheit des Enjambements in reichlichem Maße zugestehe“ (Sievers § 65). Aber Fälle von Enjambement begegnen allerdings auch in poetischen Texten der Hebräer1), indem z. B. die Worte ״auf meinem heiligen Berge“ (Ps. 2,6b) eine neue Gedichtszeile bilden. Aber eine Erscheinung, die sonst als eine seltene Ausnahme auftritt, darf doch nicht zu einer weithin herrschenden Regel gemacht werden. Bei Sievers aber geschieht dies. Denn so sehen wir es in der oben ף Komparative Materialien über Enjambement gibt meine Hebräische Rhythmik, S. 37 f.