Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1919)
- Date
- 1919-11-01
- Page
- Seite 567 (sequence 69)
- Language
- German
- Belongs to
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Die moderne Poetisierung des althebräischen Schrifttums. 567 traten, daß man von ihnen ans systematisch weiter rechnen konnte“. Damit hat er unbewußterweise selbst die schärfste Verurteilung dieser ״metrischen“ Herrichtung des hebräischen Textes von 1. Mose gegeben. Denn er hat nach seinem eigenen Berichte nicht die Eigenschaften des Textes, die nach literarischen Überlieferungen und neueren Forschungsergebnissen als Kennzeichen eines poetischen Abschnitts der althebräischen Literatur anzusehen sind, über die poetische Form des Wortlauts jenes Buches befragt. Er hat ja den Text nicht daraufhinuntersucht, ob in ihm Gedankenparallelismus und eine wesentliehe Symmetrie der darnach miteinander korrespondierenden Zeilen zu finden seien. Wenn er diesen natürlichen und notwendigen Weg beschritten hätte, würde er von der Voraussetzung. daß er es in 1. Mos. 1,1 ff. mit einem poetisch geformten Literaturprodukt zu tun habe, schon nach dem Lesen der ersten Zeilen haben zurückkommen müssen. Denn die Sätze dieses Textes erzählen nur die aufeinanderfolgenden Momente eines Vorgangs. Sie geben aber keinen Anlaß zu dem Urteil, daß ihr Verfasser mit Bewußtsein nach Gedankenparallelismus der aufeinanderfolgenden Sätze gestrebt habe. Wie vollständig kann das gerade bei der Schöpfungsdarstellung von 1. Mos. 1,1—2.3 auch deshalb konstatiert werden, weil zu dieser ja mehr als eine Parallele im Psalter vorliegt! Die Hauptparallele findet sich bekanntlich in Ps. 104 und lautet da von Anfang an so: I. Barekhi naphschi ’eth-Jv.: II. Jv.?elohaj gadalta me’öd III. hod wehadar labaschta: IV. cote 'ör ka־salmä V. note schamajim kiri'ä Lobe, meine Seele, den Ewigen! 0 Ewiger, mein Gott, du bist sehr groß, Mit Majestät und Pracht hast du dich umkleidet: Der Licht wie einen Mantel umwarf, Die Himmel wie einen Teppich ausspannte. 39*