Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1919)
- Date
- 1919-11-01
- Page
- Seite 565 (sequence 67)
- Language
- German
- Belongs to
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Die moderne Poetisierung des althebräischen Schrifttums. 565 in den Vordergrund der Darstellung. Anstatt der rein-epischen Dichtung herrscht deshalb in der hebräischen Literatur die episch-lyrische und die episch-didaktische Poesie. Ferner wie sehr der mythologische Einschlag im Gewebe antiker Epen bei den Israeliten gefehlt hat, bedarf kaum einer Betonung. Fehlt doch sogar ein -Wort für ״Göttin“ im hebräischen Wortschätz, und die Vorstellung von einem Liebesverkehr zwischen Gottessöhnen und Menschentöchtern tönt nur in dem einzigen Abschnittchen 1. Mos. 6,1—4 noch als ein leiser Nachhall in die Gedankenwelt des althebräischen Schrifttums herein, und zwar mit antimythologischer Klangfarbe. Dazu gesellen sich aber auch noch spezielle Gegengründe gegen die Bejahung der hier zu erörternden Frage. Solche Gegenargumente ergeben sich ja, wenn das babylonisch-assyrische Weltschöpfungs-Epos und die in 1. Mos. 1,1—2, 3 vorliegende Schöpfungsdarstellung sozusagen einer kunsttechnischen Vergleichung unterworfen werden. Jene keilschriftliche Darstellung beginnt nämlich mit folgenden Zeilen: Als droben der Himmel noch nicht benannt war, Drunten die feste Erde noch keinen Namen führte, Als Apsu’s ihres ersten Erzeugers, Und der Mummu Tiamat, ihrer aller Gebärerin, Wasser sich in eins mischten, Als noch kein Feld gebildet, Kein Sumpfland zu sehen war, Als von den Göttern noch keiner war, Keiner einen Namen führte. . . .1). Also diese Zeilen lassen in ihren meisten Paaren Gedankenparallelismus erkennen. Aber solchen in den bekannten Sätzen der hebräischen SchöpfungsdarsteDung ״Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde usw.״ finden zu wollen, wäre nicht nur die reine Künstelei, sondern eine vollständige Unmöglichkeit. Die aufeinanderfolgenden Sätze von 1. Mos. 1,1 — 2,3 1j So nach. C. Bezold in Lietzmanns bekannten ״Kleinen Texten“ (Bonn bei Marens nnd Weber), Nr. 7. 39