Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1919)
- Date
- 1919-11-01
- Page
- Seite 563 (sequence 65)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Die moderne Poetisierung des althebräischen Schrifttums. 563 wird. Denn Hieronymus sagt in der Vorrede zu seiner Über- Setzung des Buches Jesaja: ״Niemand meine, daß die Propheten bei den Hebräern durch ein Metrum gebunden würden und eine Ähnlichkeit mit den Psalmen hätten“. Ebenso bemerkte sein Zeitgenosse, der Syrer Adrianos, in seiner sic t&c frstac ypacpac (herausgegeben von Frdr. Goessling), § 134, daß die Aussagen ״des Jesaja, Jeremia und der in ihrer Periode lebenden Propheten in ungebundener Rede geschrieben seien, im Unterschied von den Psalmen Davids usw.“ Auch der große rabbinische Bibelerklärer Abarbanel hat die Ausspräche der Propheten von den Liedern Moses, Deboras und Davids sowie von den Sprüchen getrennt. Wie es aber in psychologisch erklärlicher Weise zu gehen pflegt, daß eine Frage, die in der wissenschaftlichen Forschung aufgetaucht ist, auch an den ganzen Umfang der möglicherweise in Betracht kommenden Objekte gerichtet wird, so ist es auch in bezug auf die Frage nach dem Umfange poetisch geformter Bestandteile des althebräischen Schrifttums geschehen. Die neuere Forschung hat auch den Schritt getan, daß sie die Geschichtsbücher des Alten Testaments daraufhin untersucht hat, ob sie nicht poetische Form an sich tragen. Zunächst hat man dies aus einem kulturhistorischem Gesichtspunkt getan. Manche haben nämlich gemeint, daß das Epos in der hebräischen Literatur nicht fehlen könne. Schon Herder hat in seiner ״Adrastea“, X. Stück geschrieben: ״Das lebendige Wort der hebräischen Nation schwebt uns näher in dieser epischen Gottes- und Menschengemeinschaft. . . . Die Befreiung dieses Volkes, die Gesetzgebung Mosis, ein herrliches Epos! Die Ausführung des Volkes, vor ihnen her ihr Führer, dessen Rache gegen die Widersacher — sind sie nicht mehr, als Vulkans Schild oder die streitenden Götter vor Troja, hoch-episch?“ Auch einige alttestament« liehe Forscher, wie der einflußreiche und sonst klare de Wette, sprachen von einer ״Mosaide“, und neuerdings ist sogar die Anfangspartie der althebräischen Geschichtsbücher ein ״Gedicht“