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Jeschurun · 1919-11-01 · Heft 11-12 (November 1919) · p. Seite 560

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 11-12 (November 1919)
Date
1919-11-01
Page
Seite 560 (sequence 62)
Language
German
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560 Di© moderne Poetisierung des althebräischen Schrifttums. unnatürliche Größe genannt werden. Denn selbst wenn es noch einen und den andern Dichter geben sollte, der in allen seinen Produkten immer das gleiche Schema verwendet hätte, so würde ihr Verfahren doch bei weitem die Ausnahme bilden und könnte nicht einem Schriftsteller zugeschrieben werden, bei dem es nicht durch literargeschichtliche Zeugnisse festgestellt ist. Mit liecht also ist jene Meinung, daß Jeremia seine ״Gedichte“ nur nach einem einzigen Schema gestaltet habe, auch von anderen als eine unbegründete und unnatürliche Voraus- Setzung abgelehnt worden. Denn ausdrücklich dem Satze Duhms, daß in ״sämtlichen prophetischen Dichtungen Jeremias die Stichen abwechselnd aus drei und zwei Hebungen bestehen“, stellt Giesebrecht seine Ansicht gegenüber, daß er auch dreihebige, vierhebige und zweihebige Verse bei Jeremia gefunden habe1). Aber hält auch dieses Urteil einer Nachprüfung stand? Zur Beantwortung dieser Frage sei wenigstens folgender Beitrag gegeben. Hinter 1,1—3, worin auch Giesebrecht einen ״prosaischen“ Abschnitt erkennt, hat Jeremia nach ihm in V. 4—10 ein ״vierhebiges Metrum“ angewendet. Aber wie will er dies beweisen? Nun zunächst V. 5 reduziert er auf diese zwei Zeilen ״Bevör ich dich bildete im Mütterleibe, habe ich dich erkannt“ und ״Bevor du hervorgingst aus dem Mutterschoße, habe ich dich geheiligt“. Von den im Texte noch folgenden Worten ״Zum Propheten für die Völker habe ich dich gemacht“ sagt Giesebrecht, daß sie ״metrisch Überhängen und sachlich unnötig seien wegen V. 10“. Aber wenn das Metrum als Mittel der Textkritik zu Hilfe gerufen wird, um ein erst vorausgesetztes Metrum herzustellen, macht man sich eines Zirkelbeweises schuldig. Ferner bringt jener dritte Satz in V. 5 die beiden vorhergehenden Sätze erst zum Abschluß, denn er verleiht ihnen erst die nötige Klarheit. Endlich darf jener dritte Satz in V. 5 nicht deshalb gestrichen werden, weil 4) Frdr. G-iesebrecht, Jeremias Metrik am Texte d&rgestellt (1905), S. IV.

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