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Jeschurun · 1919-11-01 · Heft 11-12 (November 1919) · p. Seite 557

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 11-12 (November 1919)
Date
1919-11-01
Page
Seite 557 (sequence 59)
Language
German
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Di© moderne Poetisierang des althebräischen Schrifttums. 557 absolut die gleiche Zahl von hochbetonten Silben steht in diesen Zeilen. Manchmal werden zwei Hebuagen durch eine recht gedankenschwere Hebung ersetzt. Es ist, wie in den Yolksgesängen der heutigen arabisch redenden Bewohnerschaft Palästinas: ״Herzensbewegung und Affekt bestimmen Gleichmaß und Abwechslung“, wie es der schon oben zitierte L. Schneller sehr treffend ausgedrückt hat. Dieser freie, von' der Idee beherrschte Grundcharakter der althebräischen Dichtung braucht hier nun nicht noch weiter beschrieben zu werden, da er ja schon in dem erwähnten Schriftchen ״Hebräische Rhythmik“ allseitig mit Kritisierung aller neueren Meinungen dargestellt worden ist. Hier handelt es sich vielmehr um die Feststellung der Teile der althebräischen Literatur, in denen poetische Produkte, oder genauer zunächst literarische Erzeugnisse mit diesem formellen Grundcharakter, zu erkennen sind. Natürlich braucht man bei der Absteckung der Grenzen des formell poetischen Gebietes innerhalb der althebräisohen Literatur nicht von den nach allgemeinem Urteil unfraglichen Dichtungen der alten Hebräer, wie z. B. den Psalmen und Sprüchen, zu reden. Aber eine Hauptfrage ist schon diese, ob poetisch geformte Darstellungen in den Büchern der Propheten vorliegen und die Propheten als ״Dichter“ zu bezeichen sind, wie es jetzt vielfach geschieht. Denn neuerdings sind ja solche Veröffentlichungen, wie ״Die Dichtungen Jesajas“ (von Prof. W. Staerk 1907 herausgegeben) erschienen, und in einem der neueren Kommentare zu den prophetischen Büchern, wie z. B. dem Handkommentar von B. Duhm zu Jesaja (1914), braucht man nicht lange zu lesen, und man stößt auf Sätze vom ״Metrum“ jesajanischer Aussprüche, während sogar bei den wirklichen Dichtungen der Hebräer nur von Rhythmus zu sprechen ist. Zunächstnunbetreflfsder prophetischen Bücherhabenmich meine Untersuchungen zu folgendem Urteil geführt: Die Propheten haben ״Lieder“ in ihre Dichtungen eingeschaltet, wie ja Jesaja ausdrücklich auf einmal sagt: ״Ich will doch singen

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