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Jeschurun · 1919-11-01 · Heft 11-12 (November 1919) · p. Seite 550

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 11-12 (November 1919)
Date
1919-11-01
Page
Seite 550 (sequence 52)
Language
German
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550 Di© Mischna. standene Aggadah des Lehrhauses und die Aggadah der Synagoge, die die Gelehrten öffentlich predigten, um das Volk zu tadeln und zu trösten. Nachdem wir die Wege des Thorastudiums zu jener Zeit betrachtet haben, kehren wir zur Entwicklung der Mischna zurück. Die Schüler Hillels und Schammais lehrten kurz vor der Zerstörung jeder in seinem Lehrhaus die Mischna so, wie sie sie übernommen hatten und wie sie sie auffaßten und verstanden, und ließen ihre Erklärungen in der Mischna aufgehen. Ihre Schüler lehrten und erläuterten dann weiter die Mischna ihrer Lehrer. Alle Kommentare der Mischna wurden vererbt, doch zugleich stets geistig frisch gehalten. Von allen Lehrern lernten sie, viel auch von ihren Schülern, die stets während des Unterrichts neue Überlieferungen vorbrachten. Die Grenzen zwischen den Generationen verwischten sich, da immer das alte Geschlecht noch mit dem jungen lernte. Daher war die Mischna des Lehrhauses nicht die Arbeit einer einzigen Zeit, sondern Eigentum aller Zeiten. Sie stellt sich als das Ergebnis einer langen Entwicklung dar, an der jeder einzelne Anteil hatte, und der doch wie fremdem Besitz jeder Einzelne gegenüberstehen mußte: alles war sein, und nichts war sein. Ein Schüler, der bei einem ausgezeichneten Lehrer gelernt hatte und seine Mischna beherrschte,5 lernte doch noch von dem und jenem dazu, und alles verschmolz bei ihm zu einer neuen Mischna. Wer bei einem Lehrer oder Tradenten die Mischna durchgenommen hatte, ließ sie sich später von einem anderen ausführen. Dadurch variierte sich der Ausdruck von selbst ein wenig. Oder es hatten zwei Schüler zwar bei demselben Lehrer gelernt, gaben aber ein oder das andere Mal nicht gleichlautende Überlieferungen weiter. Viel hatte ein Schüler bei seinem Lehrer ohne QueLenangabe gelernt, später erfuhr er dieselbe; und ein verstümmeltes Fragment, das er gehört hatte, ohne es erklären zu können, erhielt dadurch klaren Sinn. Viel lernte er auch bei seinen Genossen, bis es ihm schließlich vergönnt war, sein Studium durch fruchtbare Lehrtätigkeit zu verwerten. Die Anonymität hörte aller-

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