Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1919)
- Date
- 1919-11-01
- Page
- Seite 549 (sequence 51)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Die Miscbna. 549 fast das ganze Gebiet des Dereeh Erez in sich auf, infolge des Bemühens, die Sätze des Dereeh Erez durch Auslegung der Schriftverse zu erhalten. Trotzdem hatten die Weisen auch viele geordnete Mischnasammlungen über diesen Gegenstand, und sie lehrten ihn ihre Schüler besonders in Stunden der Erholung und Zerstreuung. Zu Beginn des Studiums lernten die Schüler auch Mischnasätze über den Wandel der Weisen, und wer hierin Bescheid wußte, durfte sich schon Schüler nennen. Viele dieser Mischnajoth erhielten sich, meistens über die Sitten des Anstands oder den Lebenswandel der Weisen. Hillel und Schammai waren über die Ordnungen der Mahlzeiten und der Hochzeitsfeiern kontrovers und beschäftigten sich im Lehrhaus mit den tiefsten Problemen. Zweieinhalb Jahr stritten die Schulen Schammais und Hillels darüber, ob es besser für den Menschen sei, geboren zu sein oder nicht geboren zu sein. Schließlich einigte man sich dahin: ״Besser wäre es, der Mensch wäre nicht geboren worden; doch nachdem er geboren ist, nehme er es mit seinen Taten genau1 ״). Es gab Mischnajoth über alle Gebiete der bekannten Welt und über alles, was ihnen Wissen- Schaft war, und all das waren Lehrsätze aus dem Dereeh Erez (z. B. הלכות רופאים, Tierfabeln und Wäschergleichnisse). Außerdem gab es noch Mischnasätze über Kosmogonie und Theosophie (מעשה מרכבה u. מעשה בראשית). Eine mystische Lehre wurde in geschlossenen Kreisen überliefert, und die Bedeutung mancher Gelehrten erkennen wir nur an der Achtung, die ihnen offenbar ihre Zeitgenossen zollten, ohne daß wir ihr Wirken in der Halacha merken; ihre Bedeutung muß in der Welt der Geheimlehre gelegen haben, so daß Wunderdinge über sie berichtet wurden. Beste von Mischnajoth besitzen wir aus allen Gebieten der Aggadah und des Dereeh Erez, und diese bezeugen den Beichtum derselben. Auch mit der Aggadah beschäftigten sich die Gelehrten in der Epoche der Tannaiten. Hier hat man zu unterscheiden die unter den Gelehrten ent- *) Erubin 13 b. 38