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Jeschurun · 1919-11-01 · Heft 11-12 (November 1919) · p. Seite 539

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 11-12 (November 1919)
Date
1919-11-01
Page
Seite 539 (sequence 41)
Language
German
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Die Mischna. 539 leitung aus der Schrift sein soll. Besonders als die Sadduzäer während ihrer Herrschaft unter den letzten Hasmonäern auf einmal alle Verordnungen der Ssofrim und alle Bräuche abschaffen wollten und die Existenz einer mündlichen Lehre überhaupt leugneten, erstarkte das Bestreben der Gelehrten, die halachischen Midraschim zu erneuern und für jede Halacha in der Thora einen Schriftvers zu suchen. Hillel zählte die hermeneutischen Regeln, die von alters her überliefert waren, und zwar zählte er sieben Regeln. Später zählte man 13 (Rabbi Jischmael), und wieder andere Weisen benutzten Regeln, die in diesen Zahlen nicht enthalten waren. Bei diesen Zählungen liegt die Neuerung lediglich in der Zählung. Die Zerstörung unterbrach die geistige Arbeit in Jerusalem; doch sofort rafften sich die Gelehrten Israels auf und ermannten sich, um die Thora aus der ihr drohenden Gefahr zu retten. Rabbi Jochanan ben Sakkai, der Älteste der Gelehrten seiner Zeit, trat an die Spitze des Gelehrtensenats zu Jabne. Die Pflicht, das Jahr zu interkalieren und den Neumond zu weihen, die dem ältesten Gelehrten oblag, drängte und erzwang dem Lehrhaus in Jabne die Autorität des Gerichtshofs in Jerusalem. 4. Jabne. Betrachten wir nunmehr die Geschäftsordnung des Senats und die Unterrichtsmethoden und Lebensweise der Gelehrten in der Epoche nach der Zerstörung. Der Senat, das große Lehrhaus, an dessen Spitze der Nassi stand, war kein Lehrhaus für Schüler. Seine Mitglieder waren lauter Autoritäten der Zeit. Zuweilen waren die letzten der älteren Generation bedeutender als das Oberhaupt, und doch beugten sie sich vor seiner Autorität. Bei einer solchen Generation von Größen war es allerdings eine schwere Aufgabe, sich Gehorsam zu erzwingen. Beratungen fanden statt, wenn der Nassi sie einberief. Unter diesen Beratungen ragten einzelne durch lange Dauer und große Beteiligung hervor. Wahrscheinlich pflegte man schon zur Zeit der Tannaiten jährlich zweimal zur Beratung zusammenzutreten, und zwar vor den Monaten der Feste. Anscheinend betrug die Anzahl der Mitglieder des Kollegiums 70,

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