Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1919-11-01 · Heft 11-12 (November 1919) · p. Seite 538

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 11-12 (November 1919)
Date
1919-11-01
Page
Seite 538 (sequence 40)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2292929-2292989-2292995--03840-2297121
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

9 538 Die Misclina. Esra). werden 70 Bücher der mündlichen Lehre erwähnt, anscheinend eine Anspielung auf die Traktate der Mischnah. Der Traktat Kelim, dessen erstes Wort ״Unreinheit“ und dessen letztes ״Reinheit“ lautet, existierte insoweit schon in dieser Zeit. Denn einer der kurz vor der Zerstörung lebenden Tannaiten tat auf ihn den Ausspruch: ״Heil dir, Kelim, dessen Eingang in Unreinheit, dessen Ausgang in Reinheit“ 1). Der schöne Bericht über die Bikkurim-Prozession (III 2—4) erwähnt den König Agrippa I und scheint etwa seiner Zeit anzugehören. Ebenso das Verzeichnis der Tempelbeamten (Sch’kalim V 1), in dem der Herold Gabinus aus der Zeit Agrippas erwähnt wird. Mischnatraktate hatte auch Abba Scha'ul redigiert. Manche Zeloten-Mischna (z. B. Ssanhedrin IX 6) kann den Geist des Römerkriegs nicht verleugnen, stammten doch viele Zelotenführer aus dem Kreis der Tannaiten. Hillel und Schammai und ihre Schüler waren auch im halachischen Midrasch strittig, und viele Meinungsverschiedenheiten der Halacha, insbesondere wenn es sich um neue Rechtssätze handelt, basieren auf Streitfragen in ihm. Der halachische Midrasch hatte ja nie aufgehört, und aus derZeit der Ssofrim waren die Midraschim überliefert, auf denen die Halacha beruhte. Aber zuweilen war der Midrasch vergessen, da die eigentliche Vorschrift in der Mischna abstrakt enthalten war, und die Gelehrten bemühten sich nun, die vergessene Deutung der Schriftverse im Wege der Diskussion wiederherzustellen. Die Vorschrift selbst war aber durch dieTraditon der Mischna bekannt. Nun waren die Tannaiten, die über die Lesart der Mischna uneins waren, auch über den halachischen Midrasch strittig und paßten den Midrasch ihrer jeweiligen Überlieferung an. So gewöhnten sich die Tannaiten, die Thora eigens auszulegen, um die überlieferten Vorschriften an die Schrift anzulehnen und auf sie zu stützen, und es entstand im Laufe der Zeit die Auslegung der ״Anlehnung“ (אסמכתא), die nur eine Stärkung und Unter- Stützung der Vorschrift ist, ohne daß sie eine wirkliche Ab- ג) Kelim XXX 4.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.